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Noémi Vizi
- Foto: Soós Bertalan
- Lesezeit: 5 Minuten
Majker Einsiedelei – wo Stille und Lärm aufeinandertreffen
Im Zellenhaus Nr. 6 ist es morgens 3:30 Uhr, und der Bewohner der Klausur erwacht, denn bereits um 4:00 Uhr beginnt er in seiner eigenen Kapelle1 mit dem Gebet. Er betet für sich selbst und für andere Menschen, täglich sogar bis zu acht Stunden lang. Seine Wohneinheit besteht aus einem Vorraum, einem Wohnraum, einer Kapelle, einer Werkstatt und einer Holzlege. Während seiner Pausen pflegt er seinen Garten innerhalb der hohen Mauern, die ihm Einsamkeit und Abgeschiedenheit sichern, kocht, schnitzt oder führt Reparaturarbeiten für die anderen sechzehn Einsiedler aus. In seiner Freizeit liest und schreibt er. Sie leben als Einsiedler und haben ein Schweigegelübde abgelegt. Nur zweimal im Jahr, jeweils für drei Tage, erlaubten die Ordensoberen eine mündliche Kommunikation2. Das Gebet bildete die einzige Ausnahme von der Schweigepflicht.
Diese kleine Beschreibung des Alltags der Majker Einsiedler entspricht der Zeit zwischen 1736 und 1782. Wenn wir auf die Gründung des Ordens zurückblicken, müssen wir in das 11. Jahrhundert zurückreisen. Der heilige Romuald stammte aus einer herzoglichen Familie in Ravenna (Italien). Als junger Mann liebte er es, Bälle zu besuchen, an Jagden teilzunehmen und das unbeschwerte Leben eines jungen Adeligen zu genießen. Doch er wurde Zeuge, wie sein Vater in einem Duell einen Verwandten tötete3. Dieses Erlebnis veränderte seine gesamte Sichtweise auf das Leben. Er zog sich in ein Benediktinerkloster zurück, um Buße zu tun. Jahrzehntelang fand er keinen inneren Frieden, doch im hohen Alter hatte er eine Vision: Weiße Mönche erschienen ihm, die auf einer Leiter zum Himmel emporstiegen. Der Legende nach inspirierte ihn diese Erscheinung zur Gründung des Kamaldulenserordens. Das äußere Erscheinungsbild der Mönche war durch weiße Gewänder, einen rasierten Kopf und lange Bärte geprägt. Nach drei Jahren Ausbildung wurden sie zu Priestern geweiht und legten ein lebenslanges Schweigegelübde ab.
Im Jahr 1733 stellte József Esterházy seine Ländereien rund um Majk, darunter eine 1200 Joch große Ödfläche, Seen und Mühlen, für die Gründung der Einsiedelei zur Verfügung. Mit der Planung der Anlage beauftragte er Franz Anton Pilgram, einen bedeutenden österreichischen Architekten des Barock. Ursprünglich waren zwanzig Zellenhäuser vorgesehen, verwirklicht wurden jedoch nur siebzehn. Im Jahr 1753 erfolgte die Grundsteinlegung. Als Symbol des Schweigens wurde neben dem Grundstein auch ein Fisch niedergelegt. Die finanziellen Mittel für den Bau stammten aus den Spenden ungarischer Adelsfamilien. Daran erinnern bis heute die Familienwappen an den Hauptfassaden der einzelnen Zellenhäuser4. Zwischen 1745 und 1752 entstand die sogenannte Foresteria, in der sich die Gästezimmer sowie die gemeinschaftlich genutzten Räume der Mönche befanden, darunter Küche, Bibliothek und Barbierstube. Zwischen 1753 und 1770 wurde die Kirche errichtet, in der die Einsiedler gemeinsam die heilige Messe feierten. Vom Kirchturm aus eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf die Landschaft und das Vértes-Gebirge.
Im Jahr 1782 löste Kaiser Joseph II. einen großen Teil der Ordensgemeinschaften innerhalb der Grenzen des Kaiserreichs und des Königreichs auf. Auch der Kamaldulenserorden war davon betroffen5. Zu dieser Zeit lebten elf geweihte Patres und vier Ordensbrüder in der Einsiedelei. Einige von ihnen blieben in Ungarn, andere zogen nach Italien. Bis 1784 war das gesamte Anwesen vollständig verlassen, nur die Arbeiter der Mühle blieben zurück. Im Jahr 1806 erwarb Károly Esterházy das Gut und verpachtete es an eine Tuchfabrik. Ab den 1860er-Jahren nutzte die Familie Esterházy die Gebäude als Jagdschloss. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Anlage zunächst als Krankenhaus, später befanden sich hier eine Mittelschule und ein Internat. Die letzten Besitzer waren die Großeltern des Schriftstellers Péter Esterházy: Móric Esterházy, der für kurze Zeit auch ungarischer Ministerpräsident war, und seine Ehefrau, Gräfin Margit Károlyi. Sie lebte bis 1975 hier, allerdings nach der Flucht ihres Mannes nicht mehr im Jagdschloss, sondern in einem der ehemaligen Zellenhäuser6.
Im Jahr 2001 gelangte die Einsiedelei in den Besitz der Nationalen Gesellschaft für Denkmalschutz und Entwicklung (NÖF), die mit der Rekonstruktion der Gebäude begann. Seit 2022 empfängt die Majker Einsiedelei wieder Besucher und lässt die Atmosphäre ihrer einstigen Blütezeit neu entstehen. Eingebettet zwischen einem See, einem Wald und einem Bach können Besucher heute eine einzigartige historische Denkmalanlage bewundern. Am Haupttor befindet sich folgende lateinische Inschrift: „Fern bleibe vom Tor dieser heiligen Einsamkeit derjenige, der die Stille stört, denn das Gott geweihte Heer hasst den Lärm.“ Heute trifft die Stille der Einsiedelei auf den Lärm und die Neugier der Besucher. Doch genau dies ermöglicht es, einen Einblick in die vergangene Lebensweise eines Ordens zu gewinnen, dessen Mitglieder ein Schweigegelübde abgelegt haben und der heute weltweit nur noch an etwa vierzig Orten vertreten ist.
1https://www.turistamagazin.hu/hir/az-orszag-legcsendesebb-helye-a-majki-remeteseg
2https://majkiremeteseg.hu/remeteseg-tortenete/
3https://www.turistamagazin.hu/hir/az-orszag-legcsendesebb-helye-a-majki-remeteseg
4https://majkiremeteseg.hu/remeteseg-tortenete/
5https://majkiremeteseg.hu/remeteseg-tortenete/
6https://www.turistamagazin.hu/hir/az-orszag-legcsendesebb-helye-a-majki-remeteseg










