-
Geschrieben von: Noémi Vizi
- Foto: Rajkai Péter
- Lesezeit: 2 Minuten
Das Kégl-Schloss in Székesfehérvár – Ein beliebtes Ziel der Urbex-Szene
Wenn man an Székesfehérvár denkt, fällt den meisten sofort die berühmte Bory-Burg ein. Doch nur wenige Kilometer entfernt, in Csalapuszta, steht ein weiteres beeindruckendes Bauwerk: das neugotisch... pardon, neorenaissancezeitliche Kégl-Schloss. Obwohl heute fast nur noch seine Mauern erhalten sind, beeindruckt das Schloss noch immer durch seine elegante Architektur. Es wurde zwischen 1876 und 1878 erbaut.
Die Geschichte der Familie Kégl lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Das erste bekannte Familienmitglied, das einen Adelsbrief erhielt, war Mihály Kégl im Jahr 1623. Er lebte in Pressburg (dem heutigen Bratislava) und arbeitete als Apotheker1. Da die Familie zunächst keinen eigenen Grundbesitz besaß, kam sie als Pächter nach Transdanubien. Mehr als zweihundert Jahre später begegnen wir György Kégl, einem Abgeordneten des ungarischen Parlaments. Er kaufte das Gut von Gräfin Júlia Nádasdy von Nádasd und Fogarasföld und ließ auf diesem Anwesen das Schloss errichten, das bis heute erhalten geblieben ist.
Um György Kégl und den Architekten des Schlosses, Alajos Hauszmann, rankt sich eine interessante Legende. Angeblich löste Kégl versehentlich einen Schuss aus, wobei die Kugel einen Eckzahn des Architekten traf2. Aus schlechtem Gewissen beauftragte er Hauszmann anschließend mit zwei bedeutenden Bauprojekten: dem Mietpalais in der Andrássy út 70 in Budapest sowie dem Schloss in Csalapuszta. Letzteres wurde mit den modernsten technischen Errungenschaften seiner Zeit ausgestattet, darunter fließendes Wasser, Zentralheizung, Kanalisation, Rufglocken zwischen den Zimmern sowie eine elektrische Alarmglocke3.
Durch den Haupteingang gelangte man zunächst in die Vorhalle und anschließend in den Salon. Rechts befanden sich das Speisezimmer, das Rauchzimmer und das Herrenzimmer, während sich links die Zimmer der vier Töchter sowie ihrer Gouvernanten anschlossen4. Im Obergeschoss lagen die repräsentativen Räume des Schlosses: der Ballsaal, das Billardzimmer, das Herrenzimmer, mehrere Gästezimmer sowie der große und der kleine Salon. Besonders während festlicher Bälle und gesellschaftlicher Veranstaltungen muss das Schloss einen außerordentlich imposanten Eindruck hinterlassen haben. Im Kellergeschoss befanden sich die Wirtschaftsräume, die Küche und die Wohnbereiche des Personals.
Rund um das Schloss entstand ein prachtvoller Landschaftspark mit einem Fischteich, einem Springbrunnen und einer Kapelle. Von den einst zahlreichen alten Bäumen sind heute nur noch wenige erhalten geblieben. Auch vom einst prächtigen Marmorspringbrunnen ist lediglich das Wasserbecken übrig.
Nach dem Tod von György Kégl erbte sein Sohn Dezső das Schloss, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 im Besitz der Familie blieb. Während der sowjetischen Besatzung diente das Gebäude als Lazarett, und beim Abzug nahmen die Soldaten einen Großteil der wertvollen Einrichtung mit. Nach der Verstaatlichung wurde das Schloss landwirtschaftlich genutzt; einigen Quellen zufolge war dort zeitweise auch eine Schule untergebracht. Im Laufe der Jahrzehnte verschlechterte sich sein Zustand immer weiter. Es gab zwar Pläne, daraus ein Casino und ein Luxushotel zu machen, doch die Renovierung kam bereits nach der Sanierung des Daches zum Stillstand. Heute steht das denkmalgeschützte Schloss leer und ist deshalb ein beliebtes Ziel der Urbex-Szene. Obwohl sich das Gebäude in Privatbesitz befindet, ist das Betreten aufgrund der akuten Einsturzgefahr lebensgefährlich. Aus sicherer Entfernung lässt sich das beeindruckende Kégl-Schloss jedoch weiterhin bewundern
Unser herzlicher Dank gilt Rajkai Péternek für die zur Verfügung gestellten Fotografien.





