Es sieht aus wie ein Törtchen mit Schlagsahne, doch die Kőrössy-Villa birgt Schätze

Die drei Leben des schönsten Gebäudes der Városligeti fasor

Auszug aus dem erfolgreichen Buch Neue Geheimnisse einer Stadt – Budapester Legenden, legendäre Budapester Persönlichkeiten von Szabolcs Kordos (mit Fotografien von Dávid Huszár).

Schon im ersten Augenblick zieht sie die Blicke auf sich. Es gibt kaum einen Passanten, der von diesem Jugendstiljuwel unberührt bleibt. Die kleine märchenhafte Villa am Ende der Városligeti fasor wirkt wie ein kunstvoll verziertes Törtchen mit üppiger Sahne. Auch der heutige Eigentümer András Szabó wurde bei einem Spaziergang auf das Gebäude aufmerksam. Anschließend kaufte seine Firma die Villa, und damit begann das dritte Leben der Kőrössy-Villa.

A Városligeti fasor 47–49. kertjébe lépve a látogató úgy érzi, mintha Budapestről egy másik világba transzportálták volna. Gondosan vágott gyep és ízlésesen kiválogatott szobrok állnak az udvarban. A telken belül balra a főváros legendás dokumentaristája, a fotós Klösz György villája látható, amely ma elegáns irodakomplexumként funkcionál. Hátul, a nagyobb épületek takarásában áll egy picurka villaépület, az előtérben pedig a francia hangulatú, szecessziós csoda, maga a Kőrössy-villa. Mindegyik épület története érdekes, ám ebben a fejezetben a Kőrössy-villáról mesélünk. A főbejáraton keresztül léptünk az előtérbe, amelyet egy hatalmas és eredeti, színes Róth Miksa-ablak von be különleges fényével.

„Das Geländer der Treppe war schwarz. Während der Entfernung der Verschmutzungen stellten wir fest, dass es ursprünglich wunderschön bemalt gewesen sein musste. Entsprechend haben wir es restauriert“, erzählte András Szabó und führte uns anschließend in den Salon im Erdgeschoss. Der Unternehmer und Kunstsammler entdeckte die Villa Anfang der 1990er-Jahre bei einem Spaziergang mit seiner Frau. Damals zeigte das Gebäude noch ein deutlich stärker verfallenes und ungepflegtes Gesicht. Das im Staatsbesitz befindliche Gebäude erwarb der Unternehmer 1996 im Rahmen eines Tauschgeschäfts. Die zuvor dort ansässige Offset- und Spielkarten-Druckerei entfernte gerade ihre letzten Maschinen, als Familie Szabó ihr heruntergekommenes Eigentum übernahm. „Wir betrachteten die Originalaufnahmen und sahen, dass das alte Haus überhaupt nicht dem Gebäude ähnelte, das wir gekauft hatten. Das Dach dürfte im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombentreffer zerstört worden sein. Die farbigen Fenster waren verschwunden, ebenso die Fassadendekorationen, wodurch die Villa etwas ‘vereinfacht’ wirkte“ erklärte der Eigentümer.

Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude schlicht und zurückhaltend. Betrachtet man jedoch die Fassade und die Verzierungen rund um die Fenster genauer, entdeckt man eine Fülle kunstvoller Details: Ranken, Früchte, Nymphen, Löwen, Pfauen und Mohnkapseln. „Die zentrale Fassadendekoration zeigt drei Figuren. Der Mann mit Meißel und Hammer steht für die Bildhauerei, die Frau mit der Palette für die Malerei. Die dritte Figur stellt einen Architekten dar, der die Proportionen eines Modells vermisst. Wir erkannten, dass es sich bei dieser Figur um den ehemaligen Eigentümer Albert Kálmán Kőrössy handelt. Das Gesicht des Reliefs trägt seine Züge, und das Modell selbst ist die Villa“, erzählte András Szabó, der zwei Künstler mit der Rekonstruktion der Fassadenelemente beauftragte, bis diese perfekt ausgeführt waren.

Wer war Albert Kálmán Kőrössy? Einerseits war er der wohlhabende Besitzer der Villa, andererseits einer der zu Unrecht vergessenen Architekten Ungarns. Sein Leben bleibt geheimnisvoll, denn im Gegensatz zu vielen anderen bedeutenden Künstlern und Architekten schrieb er kaum über sich selbst und hinterließ keine Aufzeichnungen, Briefe oder Tagebücher. Was wir heute über ihn wissen, wurde durch die Forschungen der Kunsthistorikerin Eszter Baldavári ans Licht gebracht. Sicher ist: Während die ersten fünfzig Jahre seines Lebens von Erfolg und Glanz geprägt waren, waren die letzten sechsunddreißig Jahre von Armut und Verfolgung bestimmt. Albert Kálmán Kőrössy wurde 1869 als Albert Neumann in eine jüdische Familie geboren, konvertierte später jedoch zum katholischen Glauben. Zunächst änderte er seinen Namen in Kőrösi, nach der Verleihung des Adelstitels schließlich in Kőrössy. Damit war er nicht allein: Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 magyarisierten zahlreiche Menschen ihre Namen. Kőrössy war ein echter Weltbürger. Er studierte Architektur in Paris und München und begeisterte sich besonders für die Mudéjar-Architektur, eine Stilrichtung, die muslimische, jüdische und christliche Elemente der iberischen Halbinsel miteinander verbindet. Seine Begeisterung ging so weit, dass er sogar Spanisch lernte. In Budapest begann er anschließend im Büro von Alajos Hauszmann zu arbeiten und war unter anderem an den Entwürfen für den New York-Palast beteiligt. Mit dem Bau der Villa begann er noch als unverheirateter junger Architekt und als Nachbar von György Klösz. Um 1900–1902 dürfte er in das Gebäude eingezogen sein. Der Zeitpunkt war ideal, denn nicht nur die Ziegelsteine fanden ihren Platz, sondern auch sein Privatleben nahm Gestalt an: 1902 heiratete er Dóra Paula Román aus einer wohlhabenden Familie. Neben den repräsentativen Räumen verfügte die Villa auch über einen Speiseaufzug, und für die stets elegant gekleidete Frau Kőrössy sowie die beiden Töchter wurden mehrere Garderoben eingerichtet. Das Leben der Familie in diesem zunehmend vornehmen Stadtviertel muss idyllisch gewesen sein. Hinter der Villa wurde – zum großen Ärger des Nachbarn – ein Stall errichtet, in dem Kőrössy seine vier Pferde hielt, während er zum Arbeiten in die kleine hintere Villa ging. Die Töchter lernten Englisch, Französisch und Deutsch. Auch Frau Kőrössy fand ihren Platz in der Gesellschaft: Auf dem Erzsébet-Körút gründete sie einen Damenklub, in dem Frauen Fremdsprachen lernen, Ausflüge unternehmen und Bridge-Abende veranstalten konnten. Zeitweise erfüllte das Bellen von Hunden die Villa: Die Hausherrin meldete ihre japanischen Spaniels Csuli, Makura, Chini und Geisha mit großer Begeisterung bei Hundeschönheitswettbewerben an. Währenddessen feierte Kőrössy auch beruflich einen Erfolg nach dem anderen. Er entwarf unter anderem das Kölcsey-Ferenc-Gymnasium (Munkácsy Mihály utca 26), das Sonnenberg-Haus (Munkácsy Mihály utca 23), das Walko-Haus (Aulich utca 3) und die Dayka-Villa (Benczúr utca 26). Mein persönlicher Favorit ist das wunderschöne Jugendstilgebäude des ehemaligen Gymnasiums in der Tisztviselőtelep-Siedlung, das auch als Feenpalast bezeichnet wird (Könyves Kálmán körút 40).

Während des Ersten Weltkriegs öffneten viele wohlhabende Familien ihre Paläste, damit das Rote Kreuz in ihren Häusern Lazarette einrichten konnte. Wie die übrige Bevölkerung Europas rechneten auch diese Familien mit einem Krieg von wenigen Monaten und nicht von mehreren Jahren. Im Erdgeschoss der Kőrössy-Villa wurde ein Krankensaal mit zehn Betten eingerichtet. Nach dem Krieg entwarf Albert Kőrössy keine weiteren Gebäude mehr, sondern konzentrierte sich auf seine erfolgreich arbeitenden Finanz- und Bauunternehmen. Dadurch wurde er bis 1917 zum dritthöchsten Steuerzahler der Stadt – noch vor dem Waffenfabrikanten Manfréd Weiss, dem Konditoreimagnaten Emil Gerbeaud oder dem Bankierssohn Lajos Hatvany-Deutsch.

Dann kam 1919 die Ungarische Räterepublik, und während der kurzlebigen proletarischen Diktatur änderte sich alles schlagartig. Die Familie musste die Villa verlassen. Durch den Vertrag von Trianon verloren sie ihre Besitzungen in Siebenbürgen, und zwischen 1920 und 1923 wurden sie sogar verhaftet, wobei über diese Zeit nur wenige Informationen erhalten sind. Die vorübergehend in die Villa an der Városligeti fasor einquartierten Bewohner stahlen oder beschädigten zahlreiche Gegenstände, sodass Frau Kőrössy bei ihrer Rückkehr ein geplündertes Zuhause vorfand. Nachdem die Kinder erwachsen geworden und ausgezogen waren, ließ sich das Ehepaar 1930 scheiden. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs musste Kőrössy die Villa endgültig verlassen. In den 1940er-Jahren fanden Albert und Dóra wieder zueinander und durchlebten gemeinsam die schweren Jahre der Internierung, doch genaue Einzelheiten darüber sind heute im Dunkel der Geschichte verschwunden.

Kőrössy erlebte als Erwachsener nicht nur den Ersten und Zweiten Weltkrieg, den Vertrag von Trianon und die Räterepublik, sondern auch die Unterdrückung der Rákosi-Zeit. Als ehemaliger kapitalistischer Großunternehmer konnte er vom neuen System wenig erwarten. Der Architekt lebte in völliger Armut irgendwo auf dem Land und konnte nur wegen seiner Lungenkrebserkrankung für medizinische Behandlungen nach Budapest kommen. Dort starb er 1955. Die meisten seiner Gebäude stehen jedoch noch heute und werden täglich genutzt. Ein Jahr nach seinem Tod zog die Druckerei in die Villa ein, nach dem Systemwechsel wurde sie Eigentum der Firma Resonator Kft. von András Szabó. „Ursprünglich haben wir die Villa als Firmensitz genutzt; als Vermögensverwaltungsgesellschaft hatten wir hier unsere Büros. Im Dachgeschoss haben wir eine Wohnung eingerichtet. Jetzt bereitet sich das Gebäude auf eine neue Aufgabe vor“, – erzählt der Eigentümer, der neben seiner geschäftlichen Tätigkeit auch einer der bedeutendsten Kunstsammler des Landes ist. Seine rund tausend Stück umfassende Zsolnay-Sammlung gilt auch international als äußerst bedeutend.

Seit mittlerweile vier Jahrzehnten wird er von seiner Leidenschaft für die Werke der Pécser Manufaktur angetrieben. „Für mich ist die Geschichte von Zsolnay ein echtes ungarisches Kulturgut. Sie erzählt davon, wozu eine Familie fähig ist, wenn sie mit Talent, Ausdauer und Hingabe im Interesse der Gemeinschaft arbeitet. Zsolnay begann gewissermaßen wie ein Startup und schuf seinen eigenen Markt. Ich kenne keine andere Marke, deren Produkte auch nach 150 Jahren weltweit noch eine derartige Nachfrage genießen“, erklärt András Szabó.

In Begleitung des Eigentümers gingen wir die Treppe hinauf in das Obergeschoss der Kőrössy-Villa, wo die Zsolnay-Keramiken in Vitrinen präsentiert werden. Auch für Laien ist dieser Anblick äußerst faszinierend. András Szabó besitzt außerdem die bedeutendste József-Egry-Sammlung Ungarns. Rund achtzig Werke des als „Maler des Balaton“ bekannten Künstlers befinden sich in seinem Besitz, daneben finden sich weitere Kunstwerke von einzigartigem Wert in der Sammlung. Während unseres Gesprächs hingen zwei Gemälde von Rippl-Rónai direkt neben uns an der Wand.

„Im Leben jedes Menschen kommt der Moment, in dem er darüber nachdenkt, was mit seinem Erbe geschehen wird. Ich wünsche mir, dass nicht nur ich mich an der Sammlung erfreuen kann, sondern dass sie durch die Schaffung von Wert auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dafür musste die Sammlung jedoch zunächst thematisch geordnet werden. In dem Gebäude wird unter dem Namen Das Haus des Sammlers ein privates Museum entstehen, in dem angemeldete Gruppen die Sammlung und natürlich auch das Gebäude im Rahmen exklusiver Führungen kennenlernen können. In den Räumen im Erdgeschoss der Villa befindet sich seit 2016 der Kőrössy-Salon, zu dem die Gäste vor allem über mein persönliches Telefonnotizbuch gelangen. Einmal im Monat veranstalten wir hier Kulturabende; zuletzt hielten beispielsweise Géza Hegedűs D. und Andrea Takács einen von Dialogen begleiteten Vortrag aus den Tagebüchern von Márai und seiner Ehefrau“, erzählt András Szabó.

Die kleine Jugendstilvilla kann von außen, von der Straße aus, jeder bewundern. Nach der Eröffnung des exklusiven Museums werden jedoch auch viele Besucher die Möglichkeit haben, das einstige Zuhause von Albert Kálmán Kőrössy von innen zu bestaunen.

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