- Geschrieben von: Noémi Vizi
- Fotos: Csorba Dániel
- Lesezeit: 2 Minuten
Die Geschichte des Herrenhauses der Familie Szontagh in Hegyeshalom
Hegyeshalom liegt 170 Kilometer von Budapest entfernt, was etwa einer zweistündigen Autofahrt entspricht. Die Gemeinde befindet sich 50 Kilometer von Győr entfernt, im westlichsten Teil Ungarns, nahe der österreichischen und slowakischen Grenze. Berühmt wurde der Ort vor allem durch seinen Grenzübergang, denn bis zum Beitritt Ungarns zum Schengen-Raum befand sich hier der meistfrequentierte Straßen- und Eisenbahn-Grenzübergang des Landes. Danach verlor die Kontrollfunktion der Station jedoch erheblich an Bedeutung. Unsere nächste Station ist Hegyeshalom, wo wir die Geschichte des Szontagh-Herrenhauses kennenlernen.
Der Name der Familie Szontagh wird bereits seit dem 14. Jahrhundert in historischen Quellen erwähnt. Aufgrund ihrer herausragenden Kenntnisse im Bergbau wurden sie nach Ungarn gerufen und bei ihrer Ansiedlung unterstützt. Ursprünglich lebte die Familie in Sachsen, wo sie den Ritterstand innehatte, was durch Urkunden von König Rudolf aus dem Jahr 1582 sowie von König Matthias II. aus dem Jahr 1610 belegt wird. Kristóf und Imre Szontagh erhielten im Jahr 1610 den Adelstitel. Einer der Söhne von Kristóf, Lajos, verlor jedoch die ursprüngliche Adelsurkunde und erhielt 22 Jahre später von König Ferdinand II. eine neue. Weitere 27 Jahre vergingen, bis auch die Adelsrechte des anderen Familienzweiges durch eine Urkunde bestätigt wurden. Damit verbunden war auch ein neues Familienwappen: Im Wappen der Nachkommen von Lajos erschien die Sonne, während das Wappen des Familienzweigs von Pál zusätzlich mit einem Adler ergänzt wurde.
Der Zweig der Familie Szontagh in Hegyeshalom geht auf die Linien Igló und Zabar zurück. Zwischen 1911 und 1925 wurde Jenő Szontagh zum Besitzer von Ländereien in der Gemeinde und ließ das Herrenhaus errichten, das im historistischen Stil mit neoklassizistischen Elementen gestaltet wurde. (Der neoklassizistische Baustil zeichnet sich durch die Wiederaufnahme griechischer und römischer Gestaltungselemente aus, beispielsweise durch Säulen, Kapitelle und dekorative Elemente an den Außenfassaden.) Jenő Szontagh verfügte über eine erfolgreiche militärische Laufbahn. Er war Husarenleutnant der kaiserlich-königlichen Armee und wurde anschließend Sekretär der kaiserlich-königlichen Landesregierung von Bosnien. Zwischen 1910 und 1917 bekleidete er das Amt des Obergespans des Komitats Moson. Vermutlich in dieser Zeit ließ er auch das Herrenhaus errichten. Der Grundriss des Gebäudes folgt einer L-förmigen Anordnung. Die Hauptfassade wird durch vier Säulen und einen Portikus mit Tympanon geprägt. Zwischen den Säulen befinden sich vier große Fenster, während der Zugang zum inneren Salon über eine Doppeltür erfolgte. Auch die Gestaltung des Herrenhauses entsprach den wichtigsten Merkmalen dieser Stilrichtung: Die großzügigen Räume waren an die Lebensweise des Adels und der Grundbesitzer angepasst und eigneten sich auch für den Empfang von Gästen. Hier genossen die Mitglieder der Familie Szontagh die Vorzüge des Landlebens.
Nach dem Tod von Jenő Szontagh im Jahr 1939 erbte sein Sohn Antal das Herrenhaus sowie die zum Gut gehörenden Ländereien. Er konnte sich jedoch nur wenige Jahre an seinem Erbe erfreuen, denn auch die Besitztümer der Familie Szontagh wurden von der Verstaatlichung betroffen. Der einstige Glanz des Adelssitzes verschwand. Im Gebäude wurden Sozialwohnungen eingerichtet, bevor es 1985 wieder in Privatbesitz gelangte. Die neuen Eigentümer gestalteten das Herrenhaus entsprechend den Anforderungen der Zeit um und kümmern sich seitdem kontinuierlich um seine Renovierung sowie um die Bewahrung seines Zustandes.
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Quelle: Virágh Zsolt (2007): Magyar kastélylexikon 9. – Győr-Moson-Sopron megye kastélyai és kúriái.







