Das Schloss von Huszár Pufi – dem ungarischstämmigen Filmstar der 1920er-Jahre

Auf dem höchsten Punkt von Verőce stand einst ein eingeschossiges Herrenhaus, das 1871 erbaut wurde. Nachdem Ferenc und Vilmos Swadló das Anwesen erworben hatten, ließen sie es 1887 nach ihren Vorstellungen umbauen. Mit der Planung wurde der Architekt Henrik Schmahl beauftragt1 – ein Schüler von Miklós Ybl und der Architekt des berühmten Uránia-Theaters in Budapest. Er gestaltete das Gebäude im Stil der Neorenaissance neu2. Im Januar 1932 kaufte Károly Hochstein, besser bekannt als Huszár Pufi, das Schloss. Er gehörte zu den ersten international erfolgreichen ungarischen Filmschauspielern: Seine Karriere begann in Ungarn und führte ihn später nach Berlin und Hollywood. Was wissen wir über sein Leben? Warum geriet sein außergewöhnliches Schaffen weitgehend in Vergessenheit? Und weshalb entschied er sich ausgerechnet für Verőce als Wohnort? Diesen Fragen widmet sich unser Beitrag.

Károly Hochstein wurde 1884 in Budapest geboren. Sein Vater, Mór Hochstein, war Arzt, seine Mutter hieß Zsófia. Die Familie war jüdischer Herkunft. Zunächst arbeitete er als Angestellter einer Versicherungsgesellschaft, erkannte jedoch bald, dass seine wahre Leidenschaft der Bühne galt. Er schrieb sich an der Schauspielschule des Ungarischen Schauspielverbandes ein und schloss seine Ausbildung 1904 ab3. Zu dieser Zeit nahm er den Künstlernamen Huszár an4. Er spielte am Vígszínpad, am Népszínház sowie in verschiedenen Budapester Kabaretts. Seinen Durchbruch feierte er 1907 auf der von Endre Nagy geleiteten Bühne Modern Színpad Kabaré, wo er auch seinen berühmten Spitznamen „Pufi“ („Pummelchen“) erhielt5. Während des Ersten Weltkriegs reiste er 1916 mit seiner Theatertruppe an die Front, um die Soldaten zu unterhalten.

Ab 1919 wirkte Huszár in Berliner Filmproduktionen mit, zwischen 1923 und 1928 arbeitete er in Hollywood. Seinen Erfolg verdankte er vor allem seiner markanten Statur, seinem fröhlichen Wesen und seiner außergewöhnlichen Hingabe an seinen Beruf. Als Star der Stummfilm-Burleske drehte er zunächst 32 Filme in Berlin – später weitere 21 – sowie rund 40 Filme in Hollywood während der Blütezeit des Stummfilms. 1923 gründete er in Deutschland die Produktionsfirma Huszar-Film. Der erste produzierte Film blieb jedoch erfolglos, wodurch auch das Unternehmen scheiterte.

In einem Interview wurde er gefragt, ob er nicht lieber schlank wäre. Seine Antwort lautete eindeutig: nein. Er liebte seine Körperfülle, war überzeugt, dass gerade sie ihn beim Publikum beliebt machte, und sah darin einen wesentlichen Grund für seinen Erfolg. Auch gutes Essen spielte eine wichtige Rolle in seinem Leben. Unabhängig davon, in welchem Land sie sich gerade aufhielten, bat er seine Frau stets, traditionelle ungarische Gerichte zuzubereiten. Er galt als außergewöhnlich großzügiger Gastgeber. Jeder war in seinem Haus willkommen, und neben einem reich gedeckten Tisch steckte er seinen Gästen oft heimlich etwas Geld zu – Hilfsbereitschaft und Wohltätigkeit lagen ihm besonders am Herzen.[6].

Warum entschied er sich für Verőce? Während seiner internationalen Karriere verspürte er immer stärkeres Heimweh. Nach seiner Rückkehr nach Ungarn suchte er nach einem Anwesen, auf dem er sich eines Tages zur Ruhe setzen könnte. Als er das Schloss auf dem höchsten Punkt von Verőce mit seinem herrlichen Blick auf die Donau und dem weitläufigen Grundstück sah, wusste er sofort, dass dies sein Traumhaus war. 1932 erwarb er das Anwesen und investierte viel Zeit, Energie und Geld in dessen Modernisierung. Nach der Renovierung wurde das Schloss zu einem beliebten Treffpunkt bedeutender Persönlichkeiten. Zu seinen Gästen gehörten unter anderem Lili Darvas, Gyula Kabos und Frigyes Karinthy, der Huszár Pufi in zwei seiner Erzählungen (Brief vom Dorf und Die Krebsfänger) verewigte. Zu seinen internationalen Freunden zählten Harold Lloyd, Ernst Lubitsch, Samuel Goldwyn und Johnny Weissmüller7. Die Wände des Schlosses schmückten Gemälde bedeutender zeitgenössischer ungarischer Künstler, von denen sich heute mehrere in der Ungarischen Nationalgalerie befinden. Darüber hinaus besaß er eine bemerkenswerte Sammlung wertvoller Geigen. Die Förderung der Kunst lag ihm besonders am Herzen. Dank seiner Leidenschaft entstand bis in die 1930er-Jahre eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen Ungarns.

Obwohl ihm das zurückgezogene Leben auf seinem Landsitz Ruhe und Erholung schenkte, dauerte diese Phase nicht lange. Der rastlose Pufi kehrte schon bald nach Deutschland zurück und drehte dort bis 1933 weitere Filme. In diesem Jahr kam Adolf Hitler an die Macht und stellte als eine seiner ersten Maßnahmen die Filmindustrie unter ideologische Kontrolle8. Nicht mehr die künstlerische Qualität war entscheidend, sondern vielmehr die Herkunft und Abstammung der Schauspieler.

Mit großer Sorge verfolgte Huszár die politischen Entwicklungen. Zu diesem Zeitpunkt lebte und arbeitete er noch in Deutschland. Als sich die politische Lage in Deutschland und Europa zunehmend radikalisierte, zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück, verließ Deutschland endgültig und kehrte nach Ungarn zurück. Er ließ sich auf seinem Gut in Nógrádverőce nieder, widmete sich dem Gartenbau und der Landwirtschaft – ideale Voraussetzungen bot ihm sein weitläufiges Anwesen. Da sich die Judenverfolgung zunehmend auch auf Ungarn ausweitete, waren Huszár und seine Frau aufgrund ihrer jüdischen Herkunft schließlich zur Flucht gezwungen. Ein befreundeter Hollywood-Regisseur bot ihm einen Filmvertrag an, der zugleich die Möglichkeit eröffnete, das Land zu verlassen9. Er verkaufte einen Großteil seines Besitzes oder vertraute ihn Freunden an, in der Hoffnung, eines Tages in seine geliebte Heimat zurückkehren zu können. Auch sein Schloss wurde zum Verkauf angeboten10. Sein Gut spiegelte seine Leidenschaft für die Landwirtschaft wider. Dort standen rund 1.000 Obstbäume – vor allem Pfirsiche, Aprikosen, Äpfel, Birnen, Süß- und Sauerkirschen –, außerdem 3.000 Rebstöcke, 3.000 Erdbeerpflanzen sowie mehrere hundert Himbeer- und Johannisbeersträucher. Dank der reinen Luft und des herrlichen Panoramablicks auf die Donau wäre das Anwesen auch hervorragend als Kur- oder Ferienanlage geeignet gewesen.

1941 brachen Huszár und seine Frau zu ihrer Reise auf. Berichten zufolge hatte er jedoch ein ungutes Gefühl. Während des Zweiten Weltkriegs war eine Überfahrt über den Atlantik nach Amerika praktisch unmöglich geworden, da deutsche U-Boote die Gewässer kontrollierten und selbst zivile Passagierschiffe angriffen. Auch Flugreisen kamen nicht mehr infrage, weshalb sie den Weg nach Osten wählten. Die einzige verbliebene Möglichkeit bestand darin, Amerika über Japan und den Pazifik zu erreichen. Sie gelangten zunächst nach Moskau und wollten von dort nach Tokio fliegen. Da dies nicht mehr möglich war, fuhren sie mit der Transsibirischen Eisenbahn die gesamten 9.289 Kilometer bis nach Wladiwostok. Die zweiwöchige Reise verlief zunächst ohne Zwischenfälle. Am Bahnhof wurden sie jedoch von sowjetischen Soldaten verhaftet. Ungarn war im Juni 1941 in den Krieg eingetreten, und als Staatsangehörige eines feindlichen Landes galten sie als Kriegsgegner. Beide wurden in das Gulag-Arbeitslager von Karaganda deportiert. Die unmenschlichen Lebensbedingungen sowie der Mangel an Nahrung und Trinkwasser kosteten Károly Huszár (Huszár Pufi) Ende Juli 1941 das Leben.[11].

Der Zweite Weltkrieg verursachte für Ungarn enorme Verluste, deren Folgen bis heute spürbar sind. Besonders schwer traf es das ungarische Filmerbe. Ein Großteil der Stummfilme wurde zerstört, als die Filmarchive in Buda bombardiert wurden. Tagelang brannten die Filmrollen, wodurch nahezu die ersten vierzig Jahre der ungarischen Filmgeschichte verloren gingen. Die wenigen erhalten gebliebenen Filme ereilte in den kalten Wintern der 1950er-Jahre oft ein ähnliches Schicksal: Mangels Kohle wurden Filmrollen aus den Kinos als Brennmaterial verwendet. Ihr Heizwert erschien damals wichtiger als ihr kultureller Wert12. Dennoch überlebten einige wenige Werke, darunter „Pufi kauft Schuhe“. Wenn Sie den internationalen Filmstar der 1920er- und 1930er-Jahre kennenlernen möchten, empfehlen wir Ihnen diesen kurzen erhalten gebliebenen Film.

Was geschah mit dem Pufi-Schloss?

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss zunächst von deutschen und später von sowjetischen Truppen besetzt und jeweils als Lazarett genutzt. Wie viele aristokratische Anwesen wurde es nach dem Krieg verstaatlicht und zu einem Kinderferienheim umfunktioniert. Mit den Jahren verfiel das Gebäude zunehmend und erinnerte kaum noch an den prachtvollen Besitz des berühmten Filmstars. Im Jahr 2000 begann ein neues Kapitel seiner Geschichte: Das Schloss gelangte wieder in Privatbesitz. Es folgte eine umfassende Restaurierung, bei der die ursprünglichen architektonischen Merkmale sorgfältig rekonstruiert und gleichzeitig modernste Technik integriert wurde. Heute zählt das Schloss erneut zu den schönsten Anwesen des Donauknies. Neben dem historischen Gebäude entstand ein Gästehaus mit Bowlingbahn und Billardraum sowie herrlichem Blick auf Tennisplatz, Fußballfeld und Minigolfanlage. Ergänzt wird das Anwesen durch einen Wellnessbereich mit Sauna, Whirlpool und Infinity-Pool. Heute wird das Schloss als exklusive Unterkunft betrieben und empfängt Gäste in stilvollen Apartments.

Das Pufi-Schloss steht derzeit zum Verkauf. Wenn Sie sich für diese außergewöhnliche Immobilie interessieren oder eine persönliche Besichtigung vereinbaren möchten, kontaktieren Sie bitte Dániel Vitáry unter hello@dandan.hu oder telefonisch unter +36 30 618 2271.

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