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Geschrieben von: Noémi Vizi
- Foto: RECHungary
- Lesezeit: 3 Minuten
Schossberger-Schloss in Tura – heute das BOTANIQ Schloss Tura
Die Geschichte des Schossberger-Schlosses in Tura, das heute als BOTANIQ Schloss Tura bekannt ist, erinnert an ein Märchen von Disney. Nicht nur wegen seiner prachtvollen Erscheinung und seines neorenaissancezeitlichen Baustils, sondern auch aufgrund der außergewöhnlichen Lebensgeschichte der Familie Schossberger, deren Bescheidenheit, Fleiß und unternehmerischer Erfolg die Verwirklichung dieses Traums ermöglichten.
Simon Vilmos Schossberger, ein jüdischer Kaufmann aus Oberungarn, ließ sich in Budapest nieder und begründete seinen Wohlstand mit dem Handel von Getreide, Zucker und Tabak. Sein Sohn entwickelte sich später zu einem angesehenen Investor und setzte gleichzeitig die erfolgreichen Handelsgeschäfte der Familie fort. Als Anerkennung ihrer wirtschaftlichen Verdienste verlieh Kaiser Franz Joseph I. der Familie im Jahr 1863 den Adelsstand. Bemerkenswert ist, dass die Schossbergers die einzige Familie waren, die diesen Titel erhielt, ohne ihren jüdischen Glauben aufzugeben. Ihr Familienwappen spiegelt sowohl ihren Erfolg als auch ihre Werte wider: Ein Löwe steht für Mut und hält ein Füllhorn mit Getreide und Tabak als Hinweis auf die Handelsgeschäfte der Familie. Darunter befindet sich ein Bienenstock, umgeben von Bienen – Sinnbilder für Fleiß und Bescheidenheit. Als liebevolle Erinnerung an dieses Erbe trägt auch die Dienstkleidung der Mitarbeitenden des heutigen BOTANIQ Schlosses Tura eine kleine Biene.
Die Stadt Tura und ihre Umgebung gehörten ursprünglich zum Besitz der Familie Esterházy. Im Jahr 1869 erwarben Zsigmond Schossberger und seine Ehefrau Terézia Mayer von Gunthof das Anwesen und verwirklichten ihren Traum von einem Schloss, das den berühmten Schlössern des Loiretals nachempfunden war. Das Gebäude wurde mit den modernsten technischen Errungenschaften seiner Zeit ausgestattet: Zentralheizung, Elektrizität, Wärmedämmung, raffinierte Lichtschächte mit Spiegeltechnik, Badezimmer auf jeder Etage mit frischem artesischem Wasser sowie sogar ein Speiseaufzug gehörten zur Ausstattung. Auch der Schlosspark war seiner Zeit weit voraus – er verfügte über ein mit Regenwasser gespeistes Bewässerungssystem, und seine Geländegestaltung orientierte sich an der Topografie des historischen Großungarns. Das Schloss wurde 1883 fertiggestellt; diese Jahreszahl ist bis heute auf der Wetterfahne des Nordturms zu erkennen. Die Familie Schossberger nutzte das Anwesen als Sommer- und Jagdschloss, während sie den größten Teil des Jahres in Budapest lebte.
Der Architekt des Schlosses war Gyula Bukovics, ein Schüler von Miklós Ybl, dem wohl bedeutendsten ungarischen Architekten seiner Zeit. Lange Zeit galt Ybl als der Entwerfer des Schlosses, doch eine Ausgabe der Zeitschrift Vasárnapi Újság aus dem Jahr 1885 stellte klar, dass tatsächlich Bukovics der Architekt war. Dieses Missverständnis ist durchaus nachvollziehbar, da Ybl zur gleichen Zeit vollständig mit dem Bau der Ungarischen Staatsoper beschäftigt war, auch wenn beide Gebäude gewisse architektonische Ähnlichkeiten aufweisen.
Im Jahr 1890 wurde Zsigmond Schossberger (der Sohn von Simon Vilmos) von Kaiser Franz Joseph in den Freiherrenstand erhoben – ein Titel, der hervorragend zu diesem außergewöhnlichen Schloss passte. Viktors ältester Sohn hatte zwei Kinder: Viktor und Klára, besser bekannt als Clarisse. Clarisse liebte das Schloss in Tura und feierte hier auch ihre Hochzeit mit Sir Basil Tangye. Zur Hochzeit erhielt sie einen Fotoapparat, mit dem sie das Schloss sowohl innen als auch außen dokumentierte. Diese einzigartige Fotosammlung leistete später einen entscheidenden Beitrag zur Restaurierung des Schlosses, die im Jahr 2016 begann. Noch im Jahr ihrer Hochzeit, 1924, zog Clarisse mit ihrem Ehemann nach England, kehrte jedoch mehrfach als Besucherin zurück. Ihr Bruder, der jüngere Viktor, wurde während des Zweiten Weltkriegs deportiert und kam während des Arbeitsdienstes ums Leben.
Nach diesen Ereignissen blieb das Schloss Schossberger praktisch ohne Eigentümer. Während des Zweiten Weltkriegs war es zunächst von deutschen und später von sowjetischen Truppen besetzt und diente zeitweise als sowjetisches Militärkrankenhaus. Von seiner einstigen Pracht blieb kaum etwas übrig, da die Einrichtung zerstört oder geplündert wurde. Ab 1946 bis 1973 wurde das Schloss als Grundschule genutzt, was erhebliche bauliche Veränderungen mit sich brachte. An diesem Punkt verbinden sich Vergangenheit und Gegenwart: die Geschichte der Familie Schossberger mit der des heutigen BOTANIQ Turai Kastély. Eine besondere Rolle spielt dabei László Kókai, der heutige Butler des Schlosses, der hier selbst zur Schule ging. Das folgende Video wurde von Dániel Csorba und dem Avideo-Team produziert und stellt das Fünf-Sterne-Hotel BOTANIQ Turai Kastély vor. Herr Kókai führt als Gastgeber durch das Schloss und erzählt dabei spannende Geschichten über dessen Vergangenheit und Gegenwart.
Die Wiedergeburt des Schlosses begann im Jahr 2016. Nach einer umfassenden Restaurierung nach den ursprünglichen Bauplänen wurde es 2019 wiedereröffnet. Das Schloss verfügt über eine Fläche von 2.981 Quadratmetern und umfasst eine großzügige Lobby, ein Palmenhaus, eine Bar (früher Bibliothek und Billardsalon), die Rondelle, mehrere Salons, ein Zigarrenzimmer, eine Bibliothek, ein Restaurant, Gästezimmer und Suiten im ersten und zweiten Stock sowie einen luxuriösen Spa-Bereich im Untergeschoss.
Heute erwarten die Gäste 19 stilvoll eingerichtete Zimmer, die höchsten Luxus bieten. Zur Anlage gehören außerdem ein zehn Hektar großer Schlosspark mit See, Tennisplatz, Swimmingpool, Spa- und Fitnessbereich. Das Restaurant trägt den Namen Clarisse als Hommage an die einstige Baronin. Während des Abendessens können die Gäste dort sogar eines ihrer Gemälde bewundern.
Für die außergewöhnliche Qualität des Hauses spricht auch die Tatsache, dass das BOTANIQ Turai Kastély im Jahr 2023 als erstes Haus der Region in das renommierte weltweite Maison Krug Ambassade-Programm des traditionsreichen Champagnerhauses aufgenommen wurde.
Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass das BOTANIQ Turai Kastély zu den schönsten Hotels Ungarns gehört und seinen Gästen das Gefühl vermittelt, für einen Moment in eine andere Welt einzutauchen.









