Remíz – Das legendäre Restaurant in Buda, dessen Geschichte bis heute weitergeschrieben wird

In den 1920er-Jahren war es eine florierende Konditorei, 1944 Schauplatz einer dramatischen Schießerei und seit 1992 ein Restaurant, dessen Erweiterung im Jahr 1998 von seinen Stammgästen finanziert wurde. Die Rede ist vom legendären Restaurant Remíz, dessen Geschichte bis heute weiterlebt.

Unsere Geschichte beginnt im Jahr 1913, als der berühmte Konditormeister Béla Nagy am Rande des Budakeszi-Waldes mit dem Bau einer neuen Konditorei begann. Zuvor soll sich an dieser Stelle ein Jagdschloss befunden haben, von dem jedoch keine Fotografien erhalten geblieben sind. Die Konditorei lag direkt an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 44, beim Straßenbahndepot Szépilona. Die erste Erwähnung der Linie 44 stammt aus dem Jahr 1912. Damals verkehrte sie ausschließlich an Gedenktagen zwischen der Őrház-Straße und dem Neuen Zentralfriedhof1. Die Linie wurde mehrfach eingestellt und wieder in Betrieb genommen, bevor sie 1924 bis Szépilona verlängert wurde. Von nun an führte sie vom Budapester Zoo über den Ostbahnhof (Keleti pályaudvar) und den Erzsébet-Boulevard nach Buda und weiter über den damaligen Olasz Fasor, die heutige Szilágyi-Erzsébet-Allee, bis zur Endstation am Straßenbahndepot Szépilona. In den friedlichen Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg fuhren zahlreiche Familien mit der Straßenbahn zur Konditorei von Béla Nagy, die sich großer Beliebtheit erfreute. Die Gäste wurden in einem zweistöckigen Hauptgebäude mit Arkadenpavillon, Sommerkiosk, weitläufigem Park und sogar einer Garage für Automobilisten empfangen.

Landesweite Bekanntheit erlangte das Gebäude durch die Ereignisse des 27. Juli 1944. Endre Ságvári, ein 31-jähriger Jurist, engagierte sich sein Leben lang in linken Jugendbewegungen. Er bekannte sich zu kommunistischen Idealen und arbeitete für jene politische Bewegung, die später János Kádár an die Macht brachte. Bereits im März 1944 überwachte die sogenannte „ungarische Gestapo“ systematisch oppositionelle Aktivisten2. So wusste man auch von einem Treffen Ságváris mit seinen Mitstreitern in dieser Konditorei. Die Gendarmen wollten Ságvári sowie den Mann an seiner Seite festnehmen, den sie für János Kádár hielten. Später stellte sich jedoch heraus, dass es sich um Lajos Szabados handelte. Augenzeugen berichteten, dass die Beamten plötzlich das Lokal stürmten, während Ságvári und seine Begleiter friedlich am Tisch saßen. Ságvári zog einen Revolver aus seiner Tasche, eröffnete das Feuer und versuchte zu fliehen. Die Gendarmen erwiderten das Feuer und trafen ihn lebensgefährlich3. Er starb wenig später im Krankenwagen. Nach seinem Tod wurde die Konditorei in „Jugend-Konditorei“ (Ifjúsági Cukrászda) umbenannt.

Im Laufe der Jahrzehnte verfiel das Gebäude zunehmend. 1992 versuchte die örtliche Gemeinde, das Objekt zu verpachten. Die heutigen Eigentümer wollten die traditionsreiche Konditorei zunächst wiederbeleben, stellten jedoch schnell fest, dass die Gäste vor allem zum Mittag- oder Abendessen kamen. So entwickelte sich aus der ehemaligen Konditorei ein Restaurant, das innerhalb kurzer Zeit zu einer der bekanntesten gastronomischen Adressen Budas wurde. In den folgenden Jahren wurde das Remíz mehrfach erweitert und modernisiert, bis es seine heutige Gestalt erhielt. Die wohl bedeutendste Erweiterung erfolgte 1998, als ein benachbartes Grundstück erworben wurde, um einen Veranstaltungssaal und die dazugehörigen Servicebereiche zu errichten. Für den Grundstückskauf war das Geld vorhanden, für den Bau jedoch nicht. Da die Eigentümer wegen der hohen Zinsen keinen Bankkredit aufnehmen wollten, machte einer der Stammgäste einen außergewöhnlichen Vorschlag: Die Stammgäste sollten den Bau vorfinanzieren, und ihre Beiträge würden später mit ihren Restaurantrechnungen verrechnet werden. Die Idee erwies sich als voller Erfolg. Auf der bis heute erhaltenen „Gründer-Ziegelwand von 1998“ sind die Namen jener Gäste verewigt, ohne deren Unterstützung die Erweiterung niemals möglich gewesen wäre. Bereits nach rund einem Monat war die Finanzierung gesichert, und innerhalb eines Jahres wurden sämtliche Vorauszahlungen durch Restaurantbesuche vollständig verrechnet.

Die Innenarchitektur ist wahrhaft faszinierend. Wohin man auch blickt, überall entsteht eine besondere, wohnliche Atmosphäre, die sofort Geborgenheit vermittelt. Einer der Veranstaltungsräume, das sogenannte Kartenzimmer, war ursprünglich als exklusiver Bereich konzipiert, der ausschließlich Clubmitgliedern vorbehalten sein sollte. Spielkarten schmücken die Wände, und selbst unter den Glasplatten der Tische befinden sich Kartenspiele aus aller Welt. Diese wurden von den Stammgästen gesammelt und dem Remíz als Dekoration geschenkt. Der Raum erfreute sich jedoch so großer Beliebtheit, dass sein privater Charakter schließlich aufgegeben wurde.

Ein weiterer ikonischer Raum ist der Hochzeitssaal, dessen Wände mit Hochzeitsfotos geschmückt sind. Etwa die Hälfte dieser Bilder zeigt Hochzeiten der Gäste – entweder von langjährigen Stammgästen zur Verfügung gestellt oder direkt im Remíz gefeiert. Ob Familienfeiern, Treffen mit Freunden oder Firmenveranstaltungen – das Restaurant bietet den idealen Rahmen für unterschiedlichste Anlässe. Bei schönem Wetter können die Gäste auch auf der Terrasse Platz nehmen. Früher wurden hier gleichzeitig bis zu 270 Gäste von einem Team aus 55 bis 60 Mitarbeitern bewirtet. Heute bietet die Terrasse in einer gemütlichen, inselartigen Anordnung Platz für rund 100 Personen.

Das wohl authentischste und zugleich markanteste Element des Remíz haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben: die Remíz-Straßenbahn. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum historischen Straßenbahndepot Szépilona wünschten sich die Eigentümer seit Jahren eine originale Straßenbahn im Innenhof. Trotz langwieriger Verhandlungen ließ sich dieser Wunsch jedoch nicht verwirklichen. Schließlich meinte einer ihrer Architekten scherzhaft: „Wenn wir keine bekommen, bauen wir eben selbst eine.“ Gesagt, getan: Es entstand ein Gebäudeteil in Form einer historischen Straßenbahn, in dem Gäste Platz nehmen und ihr Mittag- oder Abendessen in außergewöhnlicher Atmosphäre genießen können.

Im Kurzfilm von Dániel Csorba führt der Leiter des legendären Restaurants die Zuschauer persönlich durch die Geschichte und Gegenwart des Remíz.

Wenn das Remíz Ihr Interesse geweckt hat und Sie selbst Teil des nächsten Kapitels dieses lebendigen Geschichtsbuchs werden möchten, kontaktieren Sie uns unter hello@dandan.hu. Bei einer persönlichen Besichtigung führt Sie Dániel Vitáry hinter die Kulissen und erzählt Ihnen weitere spannende Geschichten über dieses außergewöhnliche Restaurant.

Wenn Sie Eigentümer eines Schlosses, Herrenhauses oder einer Villa sind, die Sie in unserem Magazin präsentieren möchten, oder wenn Sie sich für die auf unserer Website vorgestellten Immobilien interessieren, kontaktieren Sie uns bitte unter hello@dandan.hu.