- Noémi Vizi
- Foto: Borbély Levente (RECHungary)
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Das Schloss von Adolf Engel Jánosi – Der Begründer des Bergbaus im Mecsek-Gebirge
Der Name Adolf Engel ist mit zahlreichen wirtschaftlichen Erfolgen sowie sozialen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts verbunden. Aus einfachen jüdischen Verhältnissen stammend, arbeitete er sich bis in den ungarischen Adelsstand empor. In diesem Beitrag stellen wir eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Komitats Baranya sowie sein ehemaliges Jagdschloss in Mecsekjánosi vor.
Adolf Engel wurde 1820 in Pécs geboren. Sein Vater, Péter Engel, war Kaufmann und hatte während der Napoleonischen Kriege ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet, das jedoch später verloren ging. Dadurch lebten Adolf, sein Bruder Simon und ihre Mutter in großer Armut. Er musste die Schule früh verlassen und selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen. Zunächst verkaufte er Streichhölzer und Bleistifte von Haus zu Haus. Mit seinen Ersparnissen eröffnete er 1836 ein Tabakgeschäft und später zusätzlich Möbel- und Bekleidungsgeschäfte1. In seiner Freizeit studierte er in der Bibliothek des Bistums Pécs, wo er Hebräisch und Französisch lernte. Dadurch erhielt er Zugang zu den intellektuellen Kreisen seiner Zeit. Mit Hilfe von Handelsvertretern baute er sein Vertriebsnetz stetig aus und belieferte immer größere Regionen. Im Alter von 23 Jahren heiratete er und wurde später Vater von neun Kindern2.
Während des Ungarischen Unabhängigkeitskrieges von 1848–1849 diente Engel in der Nationalgarde. Nach dem Krieg erkannte er die wirtschaftlichen Chancen im Holzhandel. Er lieferte Bauholz und führte selbst Bauprojekte aus. Dieses Geschäft legte den Grundstein seines späteren Vermögens. Seine Gewinne investierte er in weitere Unternehmen und gründete 1863 ein dampfbetriebenes Sägewerk, eine Parkettfabrik sowie ein Kohlelager. Neben seinen unternehmerischen Erfolgen lag ihm besonders die Verbesserung der sozialen Verhältnisse in Pécs und Komló am Herzen. Im Jahr 1860 kaufte er den Czindery-Garten, den er der Bevölkerung für Feste und gesellschaftliche Veranstaltungen kostenlos zur Verfügung stellte. Außerdem errichtete er ein Dampfbad. Nachdem er 1878 das Gut Felsőmindszent und 1880 das Gut Mecsekjánosi von Fürst Alfred Montenuovo erworben hatte, ließ er Wohnungen, Bibliotheken und Schulen bauen und stellte Lehrer ein3. Die Kinder der Bediensteten erhielten dort kostenlosen Unterricht sowie unentgeltliche Schulmaterialien4.
Für seine wirtschaftlichen Leistungen und sein soziales Engagement wurde Adolf Engel 1886 von Kaiser Franz Joseph I. in den ungarischen Adelsstand erhoben. Seitdem durfte er den Adelszusatz „Jánosi“ führen.5.
Zwischen 1890 und 1892 wurden geologische Untersuchungen in den Kohlevorkommen von Komló durchgeführt. Der Bergbauingenieur Simon Jex bestätigte deren wirtschaftliche Abbaubarkeit. 1895 wurde der Adolf-Stollen eröffnet, drei Jahre später folgte der nach seiner Ehefrau benannte Anna-Schacht6. Die Grube war bis 1965 in Betrieb, wurde anschließend als Lehrbergwerk genutzt und schließlich 1993 endgültig geschlossen.
Das Schloss Mecsekjánosi ließ Adolf Engel im Jahr 1900 im spät- eklektischen Stil errichten7. Da das Gebäude im Laufe der Zeit kaum verändert wurde, sind seine ursprünglichen architektonischen Merkmale bis heute gut erhalten. Es diente der Familie hauptsächlich als Jagd- und Landsitz und nicht als ständiger Wohnsitz. Das Anwesen liegt etwa 25 Kilometer von Pécs entfernt auf einem rund 7.000 Quadratmeter großen, alten Parkgelände. Das dreigeschossige Schloss umfasst etwa 1.700 Quadratmeter Wohnfläche, hinzu kommen rund 600 Quadratmeter Nebengebäude und ehemalige Unterkünfte für das Personal.
Heute steht das einst prachtvolle Gebäude verlassen am Straßenrand und befindet sich in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Von außen lässt sich der frühere Glanz noch erahnen, doch das Innere ist inzwischen einsturzgefährdet. Über viele Jahre diente das Schloss als Säuglingsheim. Seit dessen Schließung finden kaum noch Maßnahmen zur Erhaltung der Bausubstanz statt. Alles, was transportiert werden konnte, wurde bereits entfernt. Es ist bedauerlich, dass das ehemalige Schloss einer der bedeutendsten Persönlichkeiten von Pécs heute in einem derart schlechten Zustand ist. Hoffentlich entdeckt bald jemand das Potenzial dieses 54-Zimmer-Schlosses und schenkt ihm eine neue Zukunft.
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