Podmaniczky-Schloss Fenyőharaszt

Wie wurde eines der bekanntesten Gestüte und Viehzuchtgüter Ungarns am Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst zu einem landwirtschaftlichen Betrieb der Zuckerindustrie, später zu einem Schülerwohnheim, einem Chemikalienlager und sogar zu einem Altersheim für Zirkustiere, bevor es schließlich als Vier-Sterne-Schlosshotel wiedereröffnet wurde? Die Geschichte ist ebenso spannend wie wechselvoll. Heute erstrahlt das Podmaniczky-Schloss wieder in seinem ursprünglichen Glanz. Es befindet sich in Verseg–Fenyőharasztpuszta im Komitat Pest. Der Ortsname leitet sich von der heimischen Farnpflanze (haraszt) ab, die früher in dieser Gegend weit verbreitet war.

Werfen wir einen Blick zurück auf die ersten schriftlich belegten Stationen der Geschichte der Familie Podmaniczky.Bereits im 14. Jahrhundert gehörten ihre Mitglieder zur Speerwache der Burg Vágh-Beszterce und waren somit Teil des ungarischen Adels. Später verlieh Kaiserin Maria Theresia der Familie den Freiherrentitel, der jedoch erst ab 1783 offiziell geführt werden konnte. Die Verbindung der Familie mit Fenyőharaszt begann in den 1780er Jahren, als János Podmaniczky das Gut übernahm. Zwischen 1783 und 1807 entstanden Wohnhäuser für die Beschäftigten des Gutes sowie die notwendigen Wirtschaftsgebäude. Die Eigentümer lebten damals jedoch nicht dauerhaft auf dem Anwesen, sondern betrachteten es in erster Linie als landwirtschaftlichen Betrieb. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Schloss im Jahr 1868, als es im neoklassizistischen Stil umgebaut wurde.

Das Gut wechselte mehrfach den Besitzer und diente zeitweise sogar zur Begleichung von Spielschulden. Schließlich gelangte es in den Besitz von Levente Podmaniczky, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Magdolna Podmaniczky große Pläne für das Anwesen schmiedete. (Tatsächlich waren die beiden Cousin und Cousine ersten Grades. Dennoch führten sie bis zum Tod Magdolnas fast vierzig Jahre lang eine glückliche Ehe.) Dank des beträchtlichen Vermögens Magdolnas konnten nahezu alle ihre Vorhaben verwirklicht werden. Schon bald herrschte reges Leben auf dem Gut. Zwar gab es keine Kinder, doch arbeiteten zwischen 80 und 120 Bedienstete und Angestellte auf dem Anwesen. Nur die Tiere waren noch zahlreicher. Levente Podmaniczky galt als einer der bedeutendsten Tierzüchter seiner Zeit. Seine Pferde und Windhunde gehörten zu den besten des Landes, darüber hinaus züchtete er auch Beagles. Gemeinsam mit seinem Cousin Géza Podmaniczky leitete er den Jagd- und Sportverein des Komitats und machte Fenyőharaszt zum Austragungsort des jährlichen Abschlussballs der Jagdsaison für den ungarischen Adel. In den 1880er und 1890er Jahren erlebte das Schloss seine glanzvollste Epoche. Neben den Erfolgen in der Tierzucht gewann auch der prachtvolle Schlosspark zahlreiche Auszeichnungen. Eine Bibliothek mit rund eintausend Bänden, umfangreiche Waffen- und Porzellansammlungen sowie eine bedeutende Sammlung grafischer Drucke – zusammengetragen von Magdolnas Vater László auf seinen Reisen – mehrten den Ruhm der Familie. Diese Grafiksammlung gelangte später in das Museum der Schönen Künste in Budapest und blieb dadurch bis heute erhalten.

Magdolna starb im Jahr 1903. Nach ihrem Tod lebte Levente noch zehn Jahre lang zurückgezogen im Schloss, bis auch er verstarb. Da das Ehepaar kinderlos blieb, erbten ihre Nichten das Anwesen und verkauften es schließlich an Endre Hatvany-Deutsch, dessen Familie Eigentümer der Zuckerfabrik Hatvan war. Diese bildete die Grundlage ihres beträchtlichen Vermögens. Zu dieser Zeit begann das Gut bereits seinen einstigen Glanz als Adelssitz zu verlieren. Es wurde in einen landwirtschaftlichen Großbetrieb umgewandelt – allerdings in einen der modernsten des Landes. Während des Ersten Weltkriegs stellten Kriegsgefangene einen großen Teil der Arbeitskräfte, und das Gut entwickelte sich zu einem bedeutenden Zulieferer der ungarischen Zuckerindustrie. Der eigentliche Niedergang setzte jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg ein, als das Anwesen zunächst von deutschen und später von sowjetischen Truppen besetzt wurde. Zu dieser Zeit befand sich das Schloss noch im Besitz der Familie Hatvany-Deutsch, die es an die Ungarische Saatzucht AG verpachtete und es damit vor der Verstaatlichung bewahrte. In den folgenden Jahrzehnten diente das Anwesen den unterschiedlichsten Zwecken: Es wurde erneut als landwirtschaftlicher Betrieb der Zuckerindustrie genutzt, später als Schülerwohnheim. Als die Gebäude schließlich nicht mehr bewohnbar waren, wurden sie zu einem Lager für Pflanzenschutzmittel umfunktioniert. Darüber hinaus befanden sich hier zeitweise eine Schweinemastanlage sowie ein Altersheim für ausgediente Zirkustiere.

Ein Wendepunkt in der Geschichte des Podmaniczky-Schlosses kam im Jahr 1986. Das inzwischen stark verfallene Schloss wurde von der Chemolimpex AG erworben, die den Architekten István Ferencz mit einer denkmalgerechten Restaurierung beauftragte. Seit 1994 wird das Schloss als Schlosshotel betrieben und liegt eingebettet in einem 13 Hektar großen historischen Park. Heute erwarten die Gäste 26 stilgerecht eingerichtete Zimmer, ein Wellnessbereich sowie eine einzigartige Atmosphäre mitten in der Natur – ideal für Erholungssuchende oder Paare, die sich an einem außergewöhnlichen Ort das Ja-Wort geben möchten. Auch für Firmenveranstaltungen, Teambuildings und kleinere Konferenzen bietet das Schlosshotel hervorragende Voraussetzungen und erfüllt diese Anforderungen auf höchstem Niveau.

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