Das eklektische Herrenhaus Nieger-Valkó

Unsere nächste Wahl fiel auf das in Solymár im Komitat Pest gelegene Herrenhaus Nieger-Valkó. Interessant ist, dass die Siedlung bereits in der Bronzezeit sowie während der Römerzeit bewohnt war. Während der osmanischen Besatzungszeit entvölkerte sich das Gebiet jedoch, bevor Anfang des 18. Jahrhunderts deutsche Siedler, die sogenannten Schwaben, hier angesiedelt wurden. Einst befand sich in dieser Gegend auch eine Burg, um die sich zahlreiche Geschichten rankten – doch im Laufe der Jahrhunderte geriet sie zunehmend in Vergessenheit.

Das Herrenhaus Nieger-Valkó steht direkt neben dem Bahnhof von Solymár und befindet sich heute leider verlassen und in einem lebensgefährlichen Zustand. Dabei wurde das Gebäude im eklektischen Stil vermutlich in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts errichtet. Der Bauherr war Károly Nieger, ein ursprünglich deutschstämmiger Maler, der vor allem für die Anfertigung von Reproduktionen berühmter Kunstwerke bekannt war. Im Jahr 1895 zog er nach Solymár, erwarb ein Grundstück und ließ das von ihm entworfene, burgähnliche Herrenhaus errichten. Mit seinen Terrassen, Treppenanlagen und dem wildromantischen Garten erregte das Anwesen großes Aufsehen. Später änderte sich sein Leben, und 1906 verkaufte er die Immobilie an die Familie Valkó1.

László Valkó war Beamter und beschäftigte sich nebenbei mit Bildhauerei – ebenso wie sein jüngerer Sohn, der ebenfalls László hieß. Gemeinsam schmückten sie die Außenfassaden mit Reliefs, kunstvollen Schnitzereien und Wandplastiken. Der ältere Sohn Aristid Valkó hatte ursprünglich Jura studiert, interessierte sich jedoch leidenschaftlich für Musik und Archäologie. Der Garten des Herrenhauses barg zahlreiche Fundstücke aus der Eisenzeit, der Römerzeit sowie aus der Epoche von König Matthias Corvinus. Die Erforschung dieser Funde ist eng mit Aristid Valkó verbunden. In einem Raum ihres Hauses richtete er ein privates Museum ein, in dem er die gefundenen Gegenstände präsentierte. Von den 1930er-Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1988 empfing er jeden Sonntag Besuchergruppen und führte persönlich durch seine Sammlung.

Aristid hatte jedoch noch einen weitaus größeren Wunsch, der mit der bereits erwähnten Burg von Solymár verbunden war: Er wollte ihre Überreste finden und erforschen. Der von den Schwaben Sloszpéeg genannte Ort – heute besser bekannt als Mátyás-Berg – war dabei ein wichtiger Hinweis, denn der deutsche/schwäbische Name bedeutet „Burgberg“2. Obwohl Aristid versuchte, andere davon zu überzeugen, dass sich unter dem Hügel die Reste der ehemaligen Burg befinden, glaubte ihm zunächst niemand. Gemeinsam mit seinem Vater begann er allein mit den Ausgrabungen. Nachdem die ersten Funde bekannt wurden, schlossen sich immer mehr Menschen den Arbeiten an. Die Grabungen dauerten 15 Jahre, von 1928 bis 1943. Mit großem Einsatz und Durchhaltevermögen verwirklichte Aristid seinen Traum. Die Fundstücke aus verschiedenen Epochen zeigte er anschließend in seinem privaten Museum der interessierten Öffentlichkeit. Nach seinem Tod gelangte seine Sammlung teilweise in das Ungarische Nationalmuseum und teilweise in das Museum der Heimatkundlichen Gesellschaft von Solymár.

Nach Aristid Valkós Tod verkaufte die Familie Valkó das Herrenhaus, das in den folgenden Jahrzehnten mehrfach den Besitzer wechselte. Es wurden kleinere und größere Umbauten durchgeführt, die das ursprüngliche Erscheinungsbild jedoch eher beeinträchtigten als verbesserten. Für die Restaurierung dieses einzigartigen Gebäudes wäre ein engagierter Mäzen notwendig, der sich in das eklektische Herrenhaus verliebt und mit seinen Ressourcen ein neues Kapitel in dessen Geschichte eröffnet.

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