- Noémi Vizi
- Fotos: Im Auftrag der Vöröskő Villa erstellt
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Die ehemalige Keszler-Villa in Balatonalmádi, heute als Vöröskő Villa ein Ort der Erholung
In Balatonalmádi steht eine besondere Villa mit einer markanten Fassade aus rotem Stein, die bereits aus der Ferne die Aufmerksamkeit auf sich zieht. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die spannende Geschichte der ehemaligen Keszler-Villa. Weinbau, Kunst, eine militärische Unterkunft, drohende Enteignung, Verlassenheit und schließlich die Verwandlung in ein touristisches Kleinod – so lässt sich die Geschichte der heutigen Vöröskő Villa kurz zusammenfassen. Doch werfen wir einen Blick hinter die Kulissen.
Die Keszler-Villa wurde nach dem Großvater mütterlicherseits von Lajos Pásztor benannt, der sie in den 1920er- oder 1930er-Jahren errichten ließ. Die Urgroßeltern von Lajos betrieben in Celldömölk eine Gastwirtschaft, die damals als eines der Zentren des kulturellen Lebens galt. Diese erfolgreiche Investition brachte der Familie einen beträchtlichen Gewinn ein. Der Erlös ermöglichte es dem Vater von Lajos, ein Grundstück in Balatonalmádi zu erwerben, das zu dieser Zeit noch eine ruhige kleine Siedlung mit nur wenigen Häusern war. Der Mann, der beruflich als Bahnhofsvorsteher in Szentgotthárd tätig war, liebte die Gartenarbeit und interessierte sich auch für den Weinbau. Jede freie Minute verbrachte er in dem Ferienhaus. Im Laufe der Jahre bepflanzte er das Grundstück mit Weinreben und eignete sich so die Kunst der Weinherstellung an. Mit dem wachsenden kulturellen Leben und den Tanzveranstaltungen in den Cafés am Seeufer entstanden neue Bekanntschaften und auch Liebesgeschichten – unter anderem lernten sich dort auch die Eltern von Lajos kennen. Die Villa, die inzwischen zu einem richtigen Zuhause geworden war, füllte sich mit Familienleben, während der Garten und der Weinberg weiterhin sorgfältig gepflegt wurden. Daraus entwickelte sich eine echte Familientradition. In den 1950er- und 1960er-Jahren veranstaltete der Onkel von Lajos im Weinkeller der Villa sogar Weinverkostungen.
Während des Zweiten Weltkriegs diente der Vater von Lajos als Soldat, während die übrigen Familienmitglieder in Balatonalmádi blieben. Als die Front näher rückte, entschlossen sie sich zur Flucht. Sie reisten mit dem Zug Richtung Westen, doch der Zug wurde bombardiert, sodass sie ihren Weg zu Fuß in Richtung Deutschland fortsetzen mussten. Das Schicksal der Keszler-Villa war damit besiegelt. Sie diente zunächst als Unterkunft für deutsche und später für sowjetische Militärkommandos. Dies lässt bereits erahnen, dass von der ursprünglichen Einrichtung nichts erhalten blieb. Alles wurde verbrannt oder zerstört. Als die Familie 1946 zurückkehrte, musste sie ihr Leben praktisch von Grund auf neu beginnen und das einstige Zuhause wieder instand setzen. Mit Unterstützung der Nachbarn begann ein langer und schwieriger Wiederaufbauprozess. Die Situation wurde zusätzlich dadurch erschwert, dass Lajos’ Vater früher als Offizier gedient hatte und deshalb keine feste Anstellung erhielt. Seinen Lebensunterhalt und die Renovierung der Villa konnte er nur durch Gelegenheitsarbeiten finanzieren.
Weitere Schwierigkeiten entstanden dadurch, dass mehrfach versucht wurde, die Familie aus dem Haus zu vertreiben und ihnen die Villa wegzunehmen. Die Begründung lautete, dass neue Bewohner in Balatonalmádi angesiedelt werden sollten. Glücklicherweise nahm die Geschichte eine positive Wendung: Bei einer Sitzung eines örtlichen Ausschusses setzte sich ein junger Mann für die Familie ein, wodurch sie die Zwangsumsiedlung vermeiden konnten. Die nun gesicherte Zukunft ermöglichte auch eine Aufteilung der Villa in mehrere Wohneinheiten, sodass verschiedene Generationen der Familie weiterhin zusammenleben konnten. Lajos wohnte mit seinen Eltern im sogenannten Sekretärsbereich, sein Onkel im Präsidentenbereich. Lajos liebte das Malen und spielte Klavier. Er war sehr begabt, obwohl er keine Möglichkeit hatte, eine entsprechende Ausbildung zu absolvieren. Eine besonders schöne Kindheitserinnerung teilte Lajos ebenfalls mit uns: Aufgrund der heftigen Regenfälle am Balaton füllte sich der Keller häufig mit Wasser, und die Kinder spielten darin und fuhren mit kleinen Wannen wie mit Booten herum.
Als die Familienmitglieder nach und nach auszogen, wurde es immer schwieriger, die ehemalige Keszler-Villa zu erhalten und den großen Garten zu pflegen. Lajos und seine Nichte vereinbarten, dass die Villa in Balatonalmádi so lange in ihrem gemeinsamen Besitz bleiben sollte, wie beide lebten. Nach dem Tod seiner Nichte konnte Lajos das Anwesen jedoch nicht mehr allein erhalten. Die Villa stand leer, ihr Zustand verschlechterte sich zunehmend, und schließlich entschloss er sich zum Verkauf.
Die neuen Eigentümer entwickelten das Konzept der Vöröskő Villa, die heute als touristische Unterkunft betrieben wird und Erholungssuchenden drei Apartments bietet. Bei der Renovierung wurde besonderer Wert darauf gelegt, möglichst viele originale Details zu bewahren und gleichzeitig den heutigen Ansprüchen gerecht zu werden. So können die Gäste ihren Aufenthalt in einer angenehmen und besonderen Atmosphäre genießen. Eine interessante Besonderheit ist, dass die Villa heute auch als eine Station der Balatonalmádi-Villentour gilt. Es lohnt sich, einige Stunden einzuplanen, die einzelnen Stationen dieser architektonischen Route zu besuchen und die wunderschönen Villen des 20. Jahrhunderts zu bewundern.






