Bástya Pension – „Etwas, das man nicht erfinden, sondern nur finden kann“

Wir befinden uns in Szécsény, im Nordosten Ungarns, nahe der slowakischen Grenze. In diesem Artikel stellen wir ein Anwesen vor, das mindestens 600 Jahre alt ist und im Laufe seiner Geschichte kontinuierlich erweitert und umgebaut wurde. Es erfüllte zahlreiche unterschiedliche Funktionen: vom Wohnhaus über einen Getreidespeicher und ein Bezirksgericht bis hin zu einer Pension. Zum Anwesen gehört außerdem ein weitläufiges Kellersystem, in dem im 20. Jahrhundert ein Wein-Großhandel betrieben wurde; später befand sich hier von den 1990er-Jahren bis in die 2010er-Jahre eine beliebte Diskothek. Nach Aussage des heutigen Eigentümers, der Architekt ist, kann man so etwas „nicht erfinden, sondern nur finden“. In diesem Beitrag begeben wir uns auf die Spuren der Geschichte der Bástya Pension in Szécsény.

Der Gebäudekomplex entstand vermutlich ab dem 14. Jahrhundert, worauf das Kellersystem hinweist. Dieses könnte damals entweder die Ebene eines Wohngebäudes oder dessen Keller gewesen sein und liegt etwa 4 Meter unter dem heutigen Straßenniveau. Die Anlage folgt der Straßenstruktur des frühmittelalterlichen Szécsény, die sich in der Barockzeit veränderte. In Ungarn gibt es drei Siedlungen, die in historischen Quellen als bewohnte Burgen des Mittelalters erwähnt werden: Sopron, Buda und die Burg von Szécsény. Diese Städte waren durch Stadtmauern und Befestigungsanlagen geschützt. Die Rondelle wurde im 17. Jahrhundert errichtet und diente ursprünglich als Tor-Rondell. Später ließen die in Szécsény lebenden Grafen Forgách (deren Schloss heute in der Stadt besichtigt werden kann) die vierte Seite der dreiseitigen Rondelle zumauern. Dadurch entstand die bis heute sichtbare Bastion. Damals wurde sie als Getreidespeicher genutzt. Die andere Ecke des Gebäudekomplexes wurde 1648 als Bezirksgericht errichtet. Diese Jahreszahl ist noch heute in einem steinernen Rahmen am Eingangsniveau des Kellers zu sehen und weist auf die Entstehungszeit dieses Gebäudeteils hin. Darunter befand sich das Gefängnis. Unter dem Gelände erstreckt sich ein umfangreiches Kellersystem, das dem unter der Stadt Eger ähnelt. Es erfüllte einst verteidigungsstrategische Aufgaben; unter anderem wurde hier Munition gelagert. Derzeit sind 465 m² des Kellersystems bekannt, allerdings gibt es noch weitere unerforschte Bereiche.

Szécsény und seine Umgebung sind kein Weinbaugebiet, obwohl die natürlichen Voraussetzungen dafür geeignet wären. Während einer Rebkrankheit wurden die Weinberge jedoch vollständig zerstört. Da weiterhin Wein benötigt wurde, entstand ein Wein-Großhandel, der bis zum Zweiten Weltkrieg, genauer gesagt bis Dezember 1944, im Kellersystem betrieben wurde. Der Bereich zwischen der Bastion und dem Gerichtsgebäude wurde damals durch einen Bombentreffer beschädigt. Das Gebäude verlor seine damaligen Funktionen und begann zu verfallen. Zunächst wurden Ziegel und Bauschutt für den Straßenbau verkauft, doch ein Denkmalschutzexperte erfuhr davon und stoppte den Vorgang sofort. Schließlich blieb nur noch der untere Teil der Ruine erhalten, der zum Schutz vor unbefugtem Betreten eingezäunt wurde. 

Zu diesem Zeitpunkt trat ein Lokalpatriot auf den Plan: ein 33-jähriger junger Mann, der großes Potenzial in der Bastion und den umliegenden Gebäuden erkannte. Er sah die touristischen Möglichkeiten der Region und träumte davon, eine Pension zu schaffen. Hollókő liegt 15 km südlich von Szécsény, die Fossilienfundstätte Ipolytarnóc 30 km nördlich. Szécsény fügt sich perfekt in diese kulturelle Achse ein: mit seiner 1332 gegründeten gotischen Kirche und dem Kloster, dem in den 1750er- und 1760er-Jahren erbauten Forgách-Schloss sowie dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Benczúr-Herrenhaus (das nach der Renovierung im Dezember 2023 wiedereröffnet wurde).

Der heutige Eigentümer erwarb die heutige Bástya Pension im Jahr 1988, noch vor dem politischen Systemwechsel in Ungarn. Ihm standen Fotografien aus dem Jahr 1938 zur Verfügung, anhand derer er den Gebäudekomplex originalgetreu rekonstruierte. Es entstanden eine Küche, ein Gastronomiebereich sowie 19 Gästezimmer. Die Zimmer im Obergeschoss sind als zweigeschossige Innenräume gestaltet und durch Wendeltreppen miteinander verbunden. Besonders interessant ist, dass von den 1990er-Jahren bis in die 2010er-Jahre im Keller eine bekannte Diskothek betrieben wurde, die an einzelnen Abenden bis zu 1.000 Besucher anzog. Die Gäste kamen nicht nur aus dem Komitat Nógrád, sondern auch aus Budapest, Szolnok und Eger. Mit dem allmählichen Ende der Blütezeit der Diskothek wurde auch das weitläufige Kellersystem zunehmend ungenutzt. Gleichzeitig wuchs das Interesse an Wellnessanlagen, weshalb im Zuge der Renovierungsarbeiten im Jahr 2010 auch ein Konzept für die Errichtung eines Wellnessbereichs entwickelt wurde, der die Nutzung der bislang unerforschten Kellerbereiche vorsieht. Der Plan wurde 2009 von der Denkmalbehörde genehmigt und kann weiterhin aktualisiert und weiterentwickelt werden.

In der Bástya Pension steckt großes Potenzial. Sollte ein neuer Eigentümer die Entwicklung und Modernisierung der Immobilie in Angriff nehmen, könnte sie sogar zu einem führenden Wellnesszentrum der Region werden. Der derzeitige Besitzer verabschiedet sich schweren Herzens von seinem Traum, eine Unterkunft zu betreiben, und übergibt die Zukunft dieses besonderen Ortes den nächsten Generationen von Fachleuten und Investoren aus Tourismus und Gastgewerbe. Die abenteuerliche und vielschichtige Geschichte der Bástya Pension, die im 14. Jahrhundert ihren Anfang nahm, ist noch lange nicht zu Ende – vielmehr beginnt nun ein neues Kapitel.

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