- Noémi Vizi
- Foto: Felszeghy Áron
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Das Huszár-Purgly-Schloss in Keszeg – Wo Imre Madách und Miklós Horthy durch familiäre Verbindungen zu Gast waren
Eines der bemerkenswertesten Gebäude des kleinen Dorfes Keszeg im Komitat Nógrád gewährt einen faszinierenden Einblick in das Alltagsleben des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen József Huszár, Imre Madách, Emil Purgly, Miklós Horthy sowie die Frauen ihrer Familien. In Keszeg befindet sich ein Schloss, das mit allen von ihnen verbunden ist – teils direkt, teils über verwandtschaftliche Beziehungen. In diesem Beitrag stellen wir das Huszár-Purgly-Schloss vor.
Die Familie Baráthi Huszár wurde 1721 Grundherr von Keszeg. Das Schloss ließ József Huszár im Jahr 1749 errichten1. Sein Sohn József heiratete 1833 Mária Madách, die Schwester des berühmten Schriftstellers Imre Madách. Aufgrund dieser familiären Verbindung verbrachte Imre Madách viel Zeit im Schloss und hielt sich besonders gerne in der Bibliothek auf. Schon damals war das Gebäude mit zahlreichen Gemälden geschmückt und mit kunstvoll gefertigten Möbeln ausgestattet. 1870 ging das Schloss an Károly Huszár über, der das Hauptgebäude erweitern ließ. Der vorherrschende Baustil war der Barock, ergänzt durch Elemente des Zopfstils. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden zwei Seitenflügel. Károly legte eine bedeutende Sammlung von Antiquitäten an, besaß Werke international bekannter Maler sowie eine Bibliothek und ein Archiv mit rund 2.000 Bänden.
Das Familienoberhaupt ließ unmittelbar neben dem Schloss eine Kirche errichten, um Gott möglichst nahe zu sein2. Der letzte Besitzer aus der Familie Huszár, Elemér Huszár, ein Politiker, gründete3 gemeinsam mit seiner Frau eine Spiritusbrennerei und ließ außerdem eine schmalspurige Landwirtschaftsbahn bauen, die den Transport des Getreides zur Brennerei erleichterte. Nach Aussagen der Einheimischen gab er sein Vermögen gern aus – insbesondere für die Pferdezucht und prachtvolle Bälle. Schließlich schrumpfte sein Vermögen so stark, dass er gezwungen war, das Gut und das Schloss zu verkaufen.
Der neue Eigentümer wurde Emil Purgly. Er stammte teilweise aus einer deutschstämmigen Familie und legte großen Wert auf Sparsamkeit und wirtschaftlichen Erfolg. Zuvor war er ungarischer Landwirtschaftsminister gewesen. Seine Schwester Magdolna heiratete 1901 den Admiral Miklós Horthy, der dadurch zu einem regelmäßigen Gast des Schlosses wurde. Horthy schätzte besonders die ruhige und friedliche Atmosphäre von Keszeg und verbrachte hier gerne seine Zeit.
Emil Purgly begann mit der Milchwirtschaft4. Aus der Schweiz wurden hochwertige Kühe eingeführt, und zunächst entwickelte sich das Unternehmen erfolgreich. Doch mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste er als Verwandter des Staatsoberhauptes eine schwierige Entscheidung treffen. Er stellte sich auf die Seite der Verfolgten. Menschen, die am Vortag noch seine Geschäftspartner gewesen waren, mussten plötzlich den gelben Judenstern tragen. Woche für Woche stellte Purgly mehrere Tonnen Lebensmittelpakete zusammen und ließ sie nach Budapest bringen, um Bedürftige zu unterstützen. Als sich die Front näherte, ließ die Familie ihre Kunstwerke, Silbergegenstände und Wertgegenstände in den Mauern des Schlosses einmauern. Ausgerechnet jene Menschen, denen sie am meisten vertrauten, verrieten jedoch das Versteck. Sowjetische Soldaten fanden die verborgenen Schätze und nahmen alles mit. Das Vermögen der Familie Purgly ging unwiederbringlich verloren.
1944 wurde aus dem einst mit Kunstwerken, Schmuck und Büchern ausgestatteten Schloss ein Lazarett. Die Spuren dieser Zeit sind bis heute sichtbar. In einer Ecke des Schlossparks befinden sich die Gruften der Familie Huszár, während in einem anderen Bereich gefallene Soldaten bestattet wurden. Der einst prachtvoll gepflegte Park mit seinen Spazierwegen und sogar einem Gewächshaus wurde vollständig zerstört. Die Bäume wurden gefällt, sodass das ehemalige Anwesen kaum noch wiederzuerkennen war. Auch die Brennerei verfiel und wurde nach und nach von den Einwohnern abgetragen – ebenso wie das schmiedeeiserne Schlosstor, das heute angeblich ein anderes Grundstück schmückt.
Nach dem Krieg stand das Schloss zunächst leer. Von 1950 bis in die 1970er-Jahre befand sich im Hauptgebäude eine Schule, während einer der Seitenflügel als Kindergarten genutzt wurde5. Die Restaurierung begann 2007 und wurde 2011 abgeschlossen. Heute ist das Schloss nicht öffentlich zugänglich. Es steht leer und kann lediglich von außen besichtigt werden – als stiller Zeuge der vielschichtigen Geschichte der Familien Huszár und Purgly.




