- Noémi Vizi
- Foto: Borbély Levente
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Die Geschichte eines bischöflichen Anwesens: Vergangenheit und Erbe des Schlosses Püspökszentlászló
Püspökszentlászló liegt in einem Tal am Nordhang des Zengő-Berges im östlichen Teil des Mecsek-Gebirges. Das Dorf, das bis heute seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt hat, verdankt seinen Aufschwung dem Pécser Bischof Pál Esterházy. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 12351. Einer lokalen Legende zufolge geriet König Sankt Ladislaus während einer Jagd in der Umgebung in ein Unwetter und suchte Schutz in einer Höhle. Zum Gedenken daran ließ er in dem damals etwa dreißig Häuser umfassenden Dorf eine Kapelle errichten2.
Im Jahr 1797 ließ Graf Pál László Esterházy, Bischof von Pécs, an der Stelle der früheren Kapelle eine Kirche sowie eine bischöfliche Sommerresidenz errichten. Tatsächlich sollte jedoch ein als Sommerresidenz getarntes Kloster entstehen3. Das Schloss ist ein einstöckiger Barockbau mit rechteckigem Grundriss. Der Architekt ist unbekannt, verfügte jedoch zweifellos über große Erfahrung im Entwurf herrschaftlicher Residenzen. Besonderes Augenmerk legte er darauf, von der Terrasse im Obergeschoss einen hervorragenden Blick auf den damals bereits entstehenden Park zu ermöglichen. Auf dem Anwesen befanden sich bereits ein Springbrunnen und ein Fischteich.
Seit 1898 trägt das Dorf den Namen Püspökszentlászló, und 1941 wurde es verwaltungstechnisch der Gemeinde Hosszúhetény angegliedert. Einhundertundein Jahre nach der Errichtung des Schlosses ließ der Pécser Bischof Sámuel Hetyey das Anwesen zwischen März und Juni 1898 vollständig renovieren und durch den Erwerb weiterer Grundstücke erheblich erweitern. Für die Strom- und Wasserversorgung gab es eigene Maschinenhäuser. Die Fontäne des Springbrunnens erreichte eine Höhe von beeindruckenden 20 Metern. Um den notwendigen Wasserdruck zu gewährleisten, wurde am Berghang ein Wasserreservoir angelegt5. Für die kontinuierliche Speisung des Zierteichs entstand ein ausgeklügeltes Wassergaleriesystem, das Regenwasser aus der Umgebung sammelte und in das Arboretum leitete. Für die Rohrleitungen wurden hochwertige Zsolnay-Keramikelemente verwendet. Das Arboretum in seiner heutigen Form geht ebenfalls auf Bischof Sámuel Hetyey zurück. Neben zahlreichen weiteren Pflanzenarten wachsen hier unter anderem Ginkgobäume (Ginkgo biloba), Schwarzkiefern und viele andere botanische Besonderheiten. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Bäume bewusst so gepflanzt, dass Besucher sich beim späteren Spaziergang unter den ausgewachsenen Baumkronen wie in einer Kathedrale fühlen sollten. Voraussetzung dafür war der Bau eines modernen Bewässerungssystems auf dem damals etwa sechs Joch großen Gelände. Verantwortlich dafür war der damalige bischöfliche Obergärtner Ferenc Hrban. Im Jahr 1905 wurde Gyula Zichy zum Bischof von Pécs ernannt. Er setzte die Weiterentwicklung der Sommerresidenz fort und legte einen Wildpark an, in dem Rehe und Damhirsche gehalten wurden. In seine Amtszeit fällt auch die Anbringung der drei Wappen an der Schlossfassade: jenes von Pál László Esterházy als Bauherrn, jenes von Sámuel Hetyey, der die umfassende Renovierung von 1898 leitete, sowie das Wappen von Gyula Zichy, unter dessen Amtszeit das Schloss seine Blütezeit erlebte.
Während des Zweiten Weltkriegs erlitt das Schloss keine größeren Schäden. Ab 1945 wurde es als Touristenherberge genutzt, später gelangte es wieder in den Besitz der Kirche. Ursulinen, die hier Zuflucht gefunden hatten, betrieben eine Grundschule, ein katholisches Mädcheninternat sowie ein Waisenhaus. Als die kirchlichen Schulen im Jahr 1950 aufgelöst wurden, stand das Gebäude leer. Am 17. Januar 1954 erklärte Bischof Ferenc Virág, dass das Nutzungsrecht des Schlosses an den Kirchlichen Fürsorgedienst für Pensionäre und Kranke übertragen werde, damit dort ein Pflegeheim eingerichtet werden könne.
Erwähnenswert ist auch die Verbindung zwischen dem Schloss Püspökszentlászló und József Mindszenty. Im Jahr 1944 stellte sich Mindszenty offen gegen die Szálasi-Regierung und setzte sich mutig für den Schutz menschlichen Lebens ein. Er wurde verhaftet, in das Gefängnis von Sopronkőhida gebracht und verbrachte die letzten Monate des Krieges unter Hausarrest. 1948 wurde er erneut auf Grundlage konstruierter Vorwürfe – Untreue und Hochverrat – vor Gericht gestellt. Nach schweren Misshandlungen wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Von Februar 1949 bis 1955 befand er sich im Gefängnis. Aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustands wurde er zunächst nach Püspökszentlászló und später nach Felsőpetény verlegt. Im bischöflichen Schloss wurden ihm zwei Zimmer im Obergeschoss zugewiesen. Wenig später erlitt auch der Erzbischof von Kalocsa, József Grősz, dasselbe Schicksal und wurde ebenfalls hier unter Hausarrest gestellt. Nach Ausbruch der Ungarischen Revolution von 1956 wurde Mindszenty befreit. In seiner berühmten Rundfunkansprache vom 3. November forderte er den Abzug der sowjetischen Truppen, die Aufklärung der Gesetzesverstöße sowie eine unverzügliche Regelung der Angelegenheiten kirchlicher Einrichtungen. Unmittelbar nach seiner Rede flüchtete er in die Botschaft der Vereinigten Staaten in Budapest. Präsident Dwight D. Eisenhower gewährte ihm dort politisches Asyl, sodass er bis 1971 in der Botschaft lebte. Auf Bitte von Papst Paul VI. zog er anschließend in das Pázmáneum nach Wien, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1975 lebte.
Wir empfehlen Ihnen herzlich einen Besuch des Bischöflichen Schlosses und Arboretums von Püspökszentlászló. Die Anlage ist vom 15. März bis zum 31. Oktober für Besucher geöffnet. Das Schloss selbst kann ausschließlich im Rahmen einer Führung besichtigt werden, wodurch Gäste die Geschichte und Gegenwart dieses außergewöhnlichen Anwesens noch besser kennenlernen können.
Unser herzlicher Dank gilt der Diözese Pécs sowie dem Bischöflichen Schloss Püspökszentlászló für die Möglichkeit, die Fotografien für diesen Artikel anfertigen zu dürfen.










