- Noémi Vizi
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Die Geschichte von Ferenc Gémes – Wie Versicherungsbetrug ihn reich machte und ihm einen Palast finanzierte
Es war einmal ein armer Junge aus Mindszent, der weder lesen noch schreiben konnte und sein Glück in Orosháza suchte. Wir befinden uns in den 1890er-Jahren, als die Mühlenindustrie im Komitat Békés zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen der Region gehörte. Er begann als Müllergeselle zu arbeiten und erkannte schon bald sein außergewöhnliches Talent für die Herstellung von Mehl1. Nur wenige Jahre später ließ der Besitzer der Orosházaer Mühle Brot aus diesem Mehl auf der Pariser Weltausstellung bewerten. Das Ergebnis war sensationell: Das Brot gewann eine Goldmedaille. Doch der Mühlenbesitzer hatte die hohen Kosten der Teilnahme unterschätzt und geriet dadurch in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Der talentierte Müllergeselle Ferenc Gémes erkannte seine Chance und investierte seine Ersparnisse in die Mühle2. Einige Jahre später war er bereits alleiniger Pächter. Sein Unternehmen entwickelte sich prächtig, sein Vermögen wuchs stetig, und ein Erfolg folgte dem nächsten. Zahlreiche wohlhabende Geschäftsleute suchten seine Nähe – sei es als Investoren oder als Partner für neue Unternehmungen. Seine Lebensgeschichte wirkte beinahe wie ein Märchen. Neben seinem wirtschaftlichen Erfolg fand er auch sein privates Glück und heiratete Etelka, die Tochter einer armen Dienstmagd.
Im Jahr 1905 ereignete sich jedoch eine Katastrophe. Die Mühle brannte vollständig nieder – mitsamt riesigen Mengen an Getreide und Mehl. Seine gesamte Existenz schien vernichtet. Glücklicherweise hatte Gémes eine außergewöhnlich hohe Feuerversicherung abgeschlossen. Die Entschädigung in Höhe von mehreren hunderttausend Kronen ermöglichte es ihm3, anstelle der eingeschossigen Mühle eine deutlich größere dreistöckige Mühle zu errichten. Das Unternehmen florierte erneut. Sein Bäckereinetz erstreckte sich bald über ganz Ungarn, und das berühmte Gémes-Brot erfreute sich großer Beliebtheit. Doch mit der Zeit stiegen die Kosten, während die Einnahmen zurückgingen. Dann kam im Jahr 1909 der nächste Schicksalsschlag: Die Mühle brannte erneut bis auf die Grundmauern nieder. Wieder verfügte Gémes über eine außergewöhnlich hohe Feuerversicherung. Mit der Versicherungsleistung ließ er nicht nur die Mühle erneut errichten, sondern finanzierte außerdem den Bau des prachtvollen Gémes-Palais sowie des Diana-Bades. Dieses entwickelte sich nach Gyopárosfürdő zu einem der beliebtesten Freibäder der Region und verfügte sowohl über ein Freibecken als auch über ein Hallenbad4. Nachdem sich seine finanzielle Lage erneut stabilisiert hatte, setzte Gémes seinen luxuriösen Lebensstil fort. Sein im Jugendstil erbautes Palais machte seinem Namen alle Ehre. Köche, Konditoren und Hausangestellte sorgten dafür, dass regelmäßig Mittag- und Abendessen für 50 bis 100 Gäste serviert werden konnten. Seine Tochter wurde von einer verarmten Baronin erzogensup5. Zudem war Gémes der erste Einwohner Orosházas, der ein eigenes Automobil besaß, mit dem er begeistert durch die Stadt und das ganze Land fuhr.
In den 1910er-Jahren hatte das Mühlenimperium Gémes seinen Höhepunkt erreicht. Landesweit betrieb er 57 Geschäfte, und unzählige Menschen kauften Brot aus seinem hochwertigen Mehl. Die Versicherungsgesellschaften wurden jedoch zunehmend misstrauisch angesichts der auffälligen Häufung von Bränden in seinen Betrieben und weigerten sich schließlich, seine Mühlen weiter zu versichern. Gémes reiste deshalb sogar bis nach England, wo es ihm gelang, eine Versicherungsgesellschaft von einer neuen Police zu überzeugen. Gerade noch rechtzeitig – denn 1912 brannte die Mühle erneut ab. Dieses Mal ließ sich der Brand jedoch nicht mehr als unglücklicher Zufall erklären. Bereits ein Jahr später wurde über sein Unternehmen das Konkursverfahren eröffnet. Aus dem armen Müllergesellen, der einst weder lesen noch schreiben konnte, war ein Brandstifter und Versicherungsbetrüger geworden – und das Imperium, das er über Jahrzehnte aufgebaut hatte, begann endgültig zu zerfallen.
Seiner Familie erzählte er, dass er ins Ausland reisen würde, um mit seinen Gläubigern zu verhandeln6. Er nahm das verbliebene Geld aus der Kasse (10.000 Kronen), fuhr mit seinem Auto bis nach Wien, verkaufte dort den Wagen und nutzte das Geld, um nach Amerika, nach Cleveland, zu fliehen. Dort versuchte er erneut sein Glück in der Mühlenindustrie, doch die Qualität seines Mehls konnte nicht mit den Erwartungen des Marktes mithalten, und auch dieses Unternehmen scheiterte. Später gründete er gemeinsam mit einem ungarischen Bekannten namens Pintér und ausländischen Geschäftspartnern ein Geschäft für Damenmode. Natürlich wurde auch dieses Unternehmen versichert – und wie sollte es anders sein7: Auch dieses Geschäft brannte nieder… Doch diesmal funktionierte die Methode, durch Versicherungszahlungen reich zu werden, nicht mehr. Nicht nur sein neues Unternehmen ging zugrunde, auch Gémes selbst verlor alles. Mittellos starb er schließlich in Amerika.
Auch die Geschichte des Gémes-Palais verlief wechselhaft. Da Ferenc Gémes vorsätzliche Brandstiftung begangen hatte – und dies sogar dreimal –, leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Eigentümer der Dampfmühle ein. Als Ferenc im Jahr 1915 in Amerika starb, konnten nur noch seine Ehefrau und seine Tochter angeklagt werden. Ihnen wurde vorgeworfen, die Geschäftsbücher gefälscht und zwei Gläubiger auf Kosten der übrigen bevorzugt bezahlt zu haben. Im Jahr 1916 wurden sie zu einer Geldstrafe von 500 Kronen verurteilt.8.
Ab 1935 wurde das Gebäude von der Gendarmerie angemietet. Der Eigentümer bot es für 38.000 Pengő zum Kauf an, doch die Behörden konnten den tatsächlichen Verkehrswert nicht eindeutig feststellen. Sicher war lediglich, dass die Gendarmerie im Rahmen eines zehnjährigen Mietvertrages insgesamt 30.000 Pengő dafür bezahlt hätte9. Da jedoch keine ausreichenden finanziellen Mittel vorhanden waren, ging das Palais nicht in ihren Besitz über. Ab 1948 diente das Gebäude als Internat für bedürftige Kinder10. Später stand es leer und wechselte mehrfach den Besitzer, ohne dass jemand ernsthafte Sanierungsarbeiten begann. Der Zustand des einst prachtvollen Gebäudes verschlechterte sich zunehmend. Vor einigen Jahren wurden schließlich Restaurierungsarbeiten eingeleitet, doch auch diese kamen wieder zum Stillstand. Aufgrund seiner Lage und seiner besonderen innenarchitektonischen Eigenschaften könnte das Gebäude sowohl als Bürohaus als auch als soziale Einrichtung genutzt werden. Heute steht es erneut zum Verkauf. Wir hoffen, dass sich bald jemand in dieses außergewöhnliche Bauwerk verliebt und das Gémes-Palais, das einst als Symbol für Luxus und Wohlstand errichtet wurde, wieder in seiner früheren Pracht erstrahlen lässt.
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3 https://adt.arcanum.com/hu/view/Hodmezovasarhely_1913_08/?query=g%C3%A9mes+ferenc&pg=29&layout=s
4 https://oroscafe.hu/2020/04/20/oroshaza-regen-diana-furdo-gemes-ferenc/
6 https://adt.arcanum.com/hu/view/Hodmezovasarhely_1913_08/?query=g%C3%A9mes+ferenc&pg=29&layout=s
7 https://adt.arcanum.com/hu/view/Hodmezovasarhely_1913_08/?query=g%C3%A9mes+ferenc&pg=29&layout=s
8 https://adt.arcanum.com/hu/view/Bekes_1916/?query=g%C3%A9mes+ferenc&pg=274&layout=s
9 https://adt.arcanum.com/hu/view/OroshaziFrissUjsag_1937_01/?query=g%C3%A9mes+palota&pg=111&layout=s
10 https://adt.arcanum.com/hu/view/OroshaziHirek_1948_07-09/?query=g%C3%A9mes+palota&pg=73&layout=s


