Die Geschichte der Andrássy-Allee in Budapest

Die Andrássy-Allee ist heute vor allem als Standort internationaler Luxusmarken, kultureller Einrichtungen, Hotels, Botschaften und diplomatischer Vertretungen sowie als Viertel der prachtvollen Wochenendvillen des ungarischen Adels aus dem frühen 20. Jahrhundert bekannt. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Geschichte einer der bedeutendsten Prachtstraßen Budapests. Über den Ursprung der Allee gibt es bis heute zwei unterschiedliche Überlieferungen. Nach der ersten geht die Idee auf Graf Gyula Andrássy zurück. Während eines Aufenthalts in Paris ließ er sich von den großzügigen Boulevards inspirieren, die dort als moderne Verkehrsachsen und zugleich als kulturelle Zentren dienten1. Deshalb wird die Andrássy-Allee häufig mit den Champs-Élysées verglichen. Eine andere Quelle schreibt die Idee Baron Frigyes Podmaniczky zu, der zwischen 1873 und 1905 Vizepräsident des Rates für Öffentliche Arbeiten der Hauptstadt war. In dieser Funktion hatte er die Möglichkeit, das über Jahrhunderte gewachsene Straßenbild Budapests zu modernisieren und eine repräsentative Prachtstraße für die Hauptstadt zu schaffen2. In derselben Zeit entstanden auch die Ringstraßen, die Donauuferpromenaden sowie drei Brücken über die Donau. Mit dem Bau der Andrássy-Allee wurde bereits 1871 begonnen. Ungarische Architekten und Bauunternehmen arbeiteten an dem Projekt, das rechtzeitig zu den Millenniumsfeierlichkeiten 1896, dem 1000. Jahrestag der ungarischen Landnahme, fertiggestellt werden sollte. Ziel war es, die wichtigsten Veranstaltungsorte miteinander zu verbinden – den Heldenplatz, den Stadtpark (Városliget) und die historische Innenstadt.

Am 9. März 1872 wurde offiziell der Vertrag unterzeichnet, der den Bau der neuen Prachtstraße ermöglichte. Das Projekt löste damals heftige Diskussionen aus3. Viele betrachteten es als kostspielige Luxusinvestition, die ausschließlich den Bedürfnissen der Aristokratie diente. Nach seiner Fertigstellung zeigte sich jedoch schnell, dass hier eines der bedeutendsten Stadtentwicklungsprojekte in der Geschichte Budapests verwirklicht worden war.

Seit ihrer Fertigstellung im Jahr 1883 trug die Straße im Laufe der Geschichte verschiedene Namen. Ursprünglich hieß sie Sugárút (Boulevard), ab 1886 Andrássy út. Im Jahr 1950 wurde sie in Stalin út umbenannt, 1956 erhielt sie den Namen Magyar Ifjúság útja (Straße der Ungarischen Jugend), ab 1957 hieß sie Népköztársaság útja (Straße der Volksrepublik), bevor sie 1990 ihren historischen Namen Andrássy út zurückerhielt. Unter der Allee verläuft die Millenniums-U-Bahn (M1), die ebenfalls 1896 eröffnet wurde. Sie ist die erste U-Bahn auf dem europäischen Kontinent und die zweitälteste U-Bahn der Welt4. Der Charme der Jahrhundertwende ist bis heute erhalten geblieben – nicht zuletzt dank umfangreicher Restaurierungsarbeiten, die in den vergangenen Jahrzehnten durchgeführt wurden. Seit 1987 gehören die Andrássy-Allee und die Millenniums-U-Bahn zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Allee lässt sich in drei Abschnitte unterteilen. Zwischen dem Erzsébet tér und dem Oktogon befinden sich heute die Boutiquen internationaler Luxusmarken sowie die Ungarische Staatsoper. Der Abschnitt zwischen Oktogon und dem Kodály körönd ist von Baumreihen gesäumt und geprägt von eleganten Villen und kulturellen Einrichtungen. Zwischen dem Kodály körönd und dem Heldenplatz erstreckt sich schließlich das historische Villenviertel, in dem wohlhabende Bürger Ende des 19. Jahrhunderts ihre repräsentativen Sommer- und Wochenendhäuser errichten ließen. Viele dieser herrschaftlichen Villen mit ihren Gärten sind bis heute erhalten geblieben und können bei einem Spaziergang entlang der Andrássy-Allee bewundert werden5.

Der Statthalterrat und das Verschönerungskomitee (1837) verfolgten das Ziel, ein einheitliches Stadtbild zu schaffen. Bereits lange bevor mit der Entwicklung der Andrássy-Straße begonnen wurde, erarbeiteten sie verbindliche Bauvorschriften. Diese sahen unter anderem vor, dass Mietpalais höchstens drei Stockwerke hoch sein durften, die Geschosshöhe mindestens 3,5 Meter betragen musste und sich neue Gebäude an der Traufhöhe der benachbarten Häuser orientieren sollten6. Diese Regelungen prägten die Stadtplanung Budapests über viele Jahrzehnte und sind der Grund dafür, dass das historische Stadtzentrum bis heute ein bemerkenswert harmonisches Erscheinungsbild bewahrt hat.

Entlang der Andrássy-Straße reihen sich vor allem eklektische Palais im Stil der Neorenaissance aneinander, insbesondere in Richtung Heldenplatz. Dies ist auf den damals vorherrschenden Architekturstil sowie auf bedeutende Architekten der Epoche wie Miklós Ybl und István Linzbauer zurückzuführen7. Als die technischen Bauarbeiten an der Straße 1876 abgeschlossen wurden, waren lediglich 40 Villen fertiggestellt. Gleichzeitig entstand ein neuer Gebäudetyp8 – das sogenannte Palais-Mietshaus, dessen repräsentative Luxuswohnung sich im ersten Stock befand. Aufgrund der Wirtschaftskrise geriet die weitere Bautätigkeit jedoch ins Stocken, und zahlreiche Investoren gaben ihre bereits erworbenen Grundstücke wieder zurück. Erst mit dem wirtschaftlichen Aufschwung setzte eine neue Welle des Villenbaus ein. Neben dem Hochadel ließen sich nun auch wohlhabende Familien des gehobenen Bürgertums hier nieder9. Die Villen dienten dabei weniger praktischen Wohnzwecken als vielmehr der gesellschaftlichen Repräsentation und wurden ab den 1890er-Jahren überwiegend als Sommer- oder Wochenendresidenzen genutzt.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien einige der bekanntesten Villen und Palais der Andrássy-Straße genannt: das Fonciére-Palais, das Drechsler-Palais, der Hübner-Hof, das Andrássy-Palais, das Stein-Palais, das Schlossberger-Palais10, die Erdődy-Villa, die Rausch-Villa, die Edelsheim-Gyulay-Villa, die Weninger-Villa sowie die Révay-Villa. Zu den bedeutenden kulturellen Einrichtungen gehörten außerdem die Musikakademie und die Kunsthalle (Műcsarnok). Abschließend lohnt sich ein Blick auf das Pariser Warenhaus (Párisi Nagyáruház), das 1911 seine Türen öffnete. Das Jugendstilgebäude wurde von Zsolt Sziklai entworfen und erstreckte sich über sieben Etagen. Bereits die Eingangshalle beeindruckte die Besucher mit prachtvollen Marmorsäulen und einer außergewöhnlich eleganten Atmosphäre. Mehrere tausend Menschen waren hier beschäftigt11. Während des Ungarischen Volksaufstands von 1956 erlitt das Gebäude erhebliche Schäden. Nach seiner Restaurierung wurde es ab 1960 als Divatcsarnok (Modehaus) genutzt und erfüllte diese Funktion bis 1999.

Seit 2002 gehört die Andrássy-Straße zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ihre eindrucksvollen Palais und Villen verleihen ihr bis heute eine außergewöhnliche Eleganz und machen einen Spaziergang entlang dieser Prachtstraße zu einem besonderen Erlebnis. Zahlreiche internationale Luxusmarken haben hier ihren Sitz – und vielleicht könnte auch Ihr Unternehmen bald an dieser prestigeträchtigen Adresse vertreten sein: in einer historischen Villa nahe dem Heldenplatz, die einst Baron Révay gehörte. Falls diese außergewöhnliche Immobilie Ihr Interesse geweckt hat und Sie sie persönlich besichtigen möchten, kontaktieren Sie bitte Dániel Vitáry unter hello@dandan.hu oder telefonisch unter +3630/618-2271.

Quelle des Titelbildes: Fortepan / Budapest Főváros Levéltára / Fotografien von György Klösz.

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