Das Bauhaus-Phänomen

Der Vorrang der Funktionalität gegenüber dem Formdesign, Metalle, Glasflächen, einfache Linienführung, Klarheit, flache Oberflächen, Kreise, Quadrate, Dreiecke und deren räumliche Formen wie Halbzylinder, Quader und Pyramiden. Wenn man das Bauhaus-Phänomen mit wenigen Worten beschreiben müsste, könnten diese Merkmale wohl am besten dafür stehen. Seine Wurzeln reichen bis in das Jahr 1919 zurück, als Walter Gropius die Schule in Weimar, Deutschland, gründete1. Die Lehrkräfte wollten vor allem eine bestimmte Denkweise vermitteln, die zunächst in Zeichnungen und geometrischen Formen zum Ausdruck kam. Ab 1927 wurde auch Architektur unterrichtet. Genau deshalb beeinflusste diese neue Kunstrichtung nahezu alle Bereiche, von der Werbung bis hin zum Produktdesign. Leider stand die Politik dieser neuen Geisteshaltung kritisch gegenüber – sie wurde als internationalistisch angesehen –, weshalb Hitler die Schule schließen ließ2 und sich die Schüler weltweit verstreuten. Das wohl bekannteste architektonische Erbe des Bauhauses ist die aus etwa 4000 weißen Gebäuden bestehende Baugruppe in Tel Aviv, die sogenannte Weiße Stadt, die seit 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört3. Das Bauhaus kann eher als ein Phänomen denn als ein Stil betrachtet werden. Seine Blütezeit lag zwischen 1920 und 1970, und es hatte einen eindeutig großen Einfluss auf die Moderne4.

In der Architektur wurden vom Bauhaus inspirierte Gebäude durch einfache geometrische Formen geprägt, beispielsweise durch Quadrate und Kreise. Ebenso können Asymmetrie, Schlichtheit und der Verzicht auf Verzierungen charakteristisch sein. Die Dächer waren meist flach, während Stahl, Glas und Beton zu den beliebtesten Baumaterialien gehörten5. In Ungarn verbreiteten sich die Bauhaus-Prinzipien weniger stark, weshalb die heimischen Gebäude eher dem Modernismus zuzuordnen sind. Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen Bauhaus vor allem bei Massenwohnungsbauten für die Arbeiterklasse Anwendung fand, sind diese Merkmale in Ungarn hauptsächlich bei Villen wohlhabenderer Gesellschaftsschichten erkennbar6. Nur jene Gebäude können tatsächlich als Bauhaus-Häuser bezeichnet werden, deren Architekten am Bauhaus studiert haben (beispielsweise Farkas Molnár). Daher gilt in Ungarn vor allem das Haus in der Napraforgó utca 15 als echtes Bauhaus-Gebäude7.

In Budapest befinden sich in der Napraforgó utca moderne Gebäude, die in den 1920er- und 1930er-Jahren entworfen und errichtet wurden. Es handelt sich um Häuser mit Bauhaus- und modernistischen Gestaltungselementen, die auch als experimentelle Wohnsiedlung der Napraforgó-Straße bekannt sind8. Zu den Architekten gehörten unter anderem Lajos Kozma, József Fischer, Henrik Böhm, Ármin Hegedűs, Gyula Wälder und Alfréd Hajós. Jeder von ihnen versuchte, seine eigene Sichtweise und Individualität in die Gebäude einzubringen. Deshalb finden sich hier Bauhaus, Neobarock, Jugendstil und Art déco harmonisch nebeneinander.

An jedem Gebäude lässt sich etwas Besonderes entdecken – diese architektonische Zeitreise sollte man keinesfalls verpassen.

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