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Geschrieben von: Noémi Vizi
- Foto: Soós Bertalan
- Lesezeit: 3 Minuten
Pálóczi-Horváth-Schloss – Örkény
Unsere nächste Station ist Örkény, wo wir das Pálóczi-Horváth-Schloss kennenlernen. Die Geschichte des Gebäudes reicht bis ins Jahr 1889 zurück, als der Gutsbesitzer István Pálóczi Horváth und seine Ehefrau Ilona Katona den Bau des Schlosses planten, das schließlich 1893 fertiggestellt wurde. Seit 1963 dient das Gebäude als Kulturhaus der Gemeinde und ist Veranstaltungsort zahlreicher kultureller und gesellschaftlicher Ereignisse. Über die Geschichte des Schlosses sprachen wir mit Gábor Patak, dem Leiter des Freizeitzentrums.
Die Familie Pálóczi Horváth stammte ursprünglich aus dem heutigen Oberungarn (der heutigen Slowakei) und galt als eine der wohlhabendsten Adelsfamilien ihrer Zeit. 1885 heiratete István Ilona Katona, die aus Örkény stammte. Gibt es Informationen darüber, wie sich die beiden kennenlernten und warum sie sich entschieden, ihr gemeinsames Leben gerade in Örkény zu beginnen?
Gábor Patak: Ilonas Mutter, Franciska Csurgay, verkaufte einen großen Teil ihres Landes an die Staatskasse. Dort entstand zunächst ein militärischer Übungsplatz und später eine Kavallerieschule. István Pálóczi wurde als Soldat dorthin versetzt und verliebte sich in die junge und hübsche Ilona. Da sie Waise war und keine Geschwister hatte, blieb das Ehepaar in Örkény, während Franciska ihnen nach und nach die Verwaltung des Familienbesitzes übertrug.
Das Schloss wurde zwischen 1889 und 1893 errichtet. Wie sah das Anwesen während seiner Blütezeit aus? Wie viele Menschen lebten im Schloss, und welche landwirtschaftlichen Tätigkeiten wurden auf dem Gut betrieben?
G. P.: Äußerlich ist das Schloss heute noch zu etwa 99 Prozent in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Im Inneren wurde es jedoch im Laufe der Jahrzehnte mehrfach umgebaut. Sechs Kinder der Familie erreichten das Erwachsenenalter und lebten gemeinsam mit ihren Eltern im Schloss, außerdem einige Bedienstete sowie die Gouvernante Antónia Lukács. Auf dem Gut wurden Weinberge angelegt, und bekannte Winzerfamilien wie die Familie Voght wurden nach Örkény geholt. Mit der Zeit entwickelten sich jedoch vor allem die Dampfmühle, die Ziegelei und die Brennerei zu den wirtschaftlichen Säulen des Anwesens. Die Ziegel für zahlreiche Häuser der berühmten Wekerle-Siedlung in Budapest stammten sogar aus der örtlichen Ziegelei.
Wie viele ungarische Schlösser erlebte auch dieses Anwesen besonders während des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie in den darauffolgenden Jahrzehnten schwere Zeiten. Wie verlor die Familie das Schloss, und wie wurde das Gebäude genutzt, bevor es schließlich zum Kulturhaus der Gemeinde wurde?
G. P.: Ilona Katona starb bereits 1913, während ihr Ehemann bis zu seinem Tod im Jahr 1935 im Schloss lebte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude als Militärlazarett genutzt. Nach Kriegsende ging es in den Besitz von Frau Lajos Szőke über, wurde jedoch 1951 verstaatlicht. Anschließend nutzte die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft das Schloss, später wurden darin Dienstwohnungen eingerichtet, und zeitweise befand sich dort auch eine Arztpraxis. 1963 öffnete das Gebäude schließlich als Kulturhaus seine Türen – eine Funktion, die es bis heute erfüllt.
István Pálóczi Horváth war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte von Örkény. Nicht nur das Schloss, sondern auch die Landwirtschaftliche Fachschule, Berufsschule und das Schülerwohnheim Pálóczi Horváth István, das zum Landwirtschaftlichen Berufsbildungszentrum Mittelungarns gehört, tragen heute seinen Namen. Ein wesentlicher Grund dafür war sein außergewöhnliches Engagement für das Bildungswesen, insbesondere im Bereich der landwirtschaftlichen Ausbildung. 1910 stellten er und seine Ehefrau ein Grundstück im Ortszentrum für den Bau einer Schule zur Verfügung und spendeten zusätzlich 20 Joch (rund 11,5 Hektar) landwirtschaftliche Nutzfläche, um die praktische Ausbildung der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Welche weiteren Initiativen der Familie haben zur Entwicklung von Örkény beigetragen? Und welche Teile dieses Erbes sind bis heute erhalten geblieben?
G. P.: Obwohl die Familie dem reformierten Glauben angehörte, war sie Patron der katholischen Kirchengemeinde. 1926 ließ István Pálóczi zum Gedenken an seine verstorbene Ehefrau die reformierte Kirche errichten. Im selben Jahr eröffnete außerdem die Landwirtschaftsschule des Vitézi-Ordens, aus der später die heute noch bestehende weiterführende Schule hervorging.
Im August 2023 fand ein Schlossfest statt, bei dem unter anderem Pater Lajos Szőke, ein Enkel von Zsuzsanna Pálóczi Horváth, eine Ansprache hielt. Leben heute noch Nachkommen der Familie in Örkény oder kehren sie gelegentlich zurück, um das kulturelle Erbe ihrer Vorfahren zu würdigen?
P.G.: Nach der Verstaatlichung verließ die Familie Örkény. Heute leben Nachkommen der sechs Kinder der Familie Pálóczi nicht nur in Ungarn, sondern auch in Spanien, Australien und den Vereinigten Staaten. Das Schlossfest war ein ganz besonderer Anlass, denn dort trafen sich erstmals Familienmitglieder wieder, die über Jahrzehnte hinweg voneinander getrennt gelebt hatten.
Das Freizeitzentrum erfüllt heute zahlreiche Aufgaben im kulturellen Leben von Örkény. Es beherbergt die Stadtbibliothek, verfügt über einen Theatersaal mit 300 Sitzplätzen, ist Sitz des Künstlerforums der Großen Ungarischen Tiefebene und organisiert darüber hinaus zahlreiche Veranstaltungen im Freien, darunter auch den Stadttag. Welche Programme würden Sie Besucherinnen und Besuchern besonders empfehlen? Kann das Pálóczi-Horváth-Schloss auch für private Veranstaltungen gemietet werden?
P.G.: Im Schloss sind unter anderem Gemälde des aus Örkény stammenden Malers Zoltán Ott sowie die heimatgeschichtliche Sammlung von János Rogosz zu sehen. Besucher können außerdem den Wallfahrtsort Orbánka, unsere Kirchen, einen Lehrpfad mit historischen Fotografien der Stadt sowie die zahlreichen Skulpturen entdecken, auf die wir besonders stolz sind. Zu den bedeutendsten Veranstaltungen zählen das internationale Volksmusik- und Volkstanzlager Csutorás, das Rózsavölgyi-Gedenkturnier sowie der Ferenc-Sebestyén-Bogenschießwettbewerb, der im Wald von Pusztavacs ausgetragen wird. Familien mit Kindern besuchen gerne das Karéj-Festival oder den Czifra-Pokal, während ältere Einwohner ihr Talent bei der Veranstaltung „Was können unsere Senioren?“ präsentieren. Sehr beliebt sind außerdem das Martinstagsfest mit Gänsespezialitäten, der Adventsmarkt sowie zahlreiche Programme, die von den örtlichen Vereinen organisiert werden.





