Heckenast Gusztáv und seine Villa in Pilismarót

Der Name von Gusztáv Heckenast ist vor allem mit der ungarischen Revolution und dem Freiheitskampf vom März 1848 sowie mit dem Druck der Zwölf Punkte verbunden, obwohl er an diesem Ereignis persönlich tatsächlich nicht beteiligt war. Weniger bekannt ist hingegen, dass er aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten seiner Familie sein Studium abbrechen musste und zunächst im Gewürzhandel tätig war. 1826 begann er in Pest in der Buchhandlung von Ottó Wigand zu arbeiten, die er 1832 übernahm. Im März 1838 verlor er während der großen Überschwemmung von Pest fast seinen gesamten Besitz, und seine Schriftstellerfreunde halfen ihm beim Wiederaufbau seiner Existenz. Aus den durchnässten und später getrockneten Büchern gründete er seine erste Leihbibliothek, die er später auch nach Balatonfüred brachte und damit die erste Leihbibliothek auf dem Land eröffnete. 1840 ging er eine Partnerschaft mit dem Drucker Lajos Landerer ein. Von diesem Zeitpunkt an sprach man vom Verlag und Druckhaus Landerer und Heckenast. Dort wurden unter anderem die Zeitung Pesti Hírlap sowie die Werke der bedeutendsten Schriftsteller und Dichter der Epoche veröffentlicht, darunter Mihály Csokonai Vitéz, Dániel Berzsenyi, Ferenc Kölcsey, Mihály Vörösmarty und Mór Jókai. Außerdem initiierte Heckenast die Buchreihe Ungarische Meisterschriftsteller. Er galt als einer der wohlhabendsten Bürger seiner Zeit und verfügte über die finanziellen Möglichkeiten, ein Sommerhaus errichten zu lassen. Seine Wahl fiel auf Pilismarót.

Im Jahr 1851 erwarb er dort zwei nebeneinanderliegende Grundstücke mit darauf befindlichen Häusern. Bis zur Fertigstellung der Heckenast-Villa lebte die Familie in dem größeren Haus und empfing dort ihre Gäste. Heckenast war ein bedeutender Teil des lebendigen kulturellen Lebens in Pest, und auch sein Freundeskreis besuchte gerne Pilismarót – besonders nachdem die Villa um 1860 fertiggestellt worden war. Die Villa war ein einstöckiges Gebäude mit sechs Zimmern und wurde von einem außergewöhnlichen, dreistufig angelegten Landschaftsgarten umgeben. Die Nähe zur Natur war unmittelbar spürbar – beim Verlassen des Hauses ebenso wie beim Blick aus den Fenstern. Auf einem Gemälde im Saal des Obergeschosses waren Béla, Keme und Attila, die legendären Hunnenfürsten, sowie Fürst Géza dargestellt. Von diesem Kunstwerk ist heute nur noch wenig erhalten. Die Besucher wurden von der umfangreichen Bibliothek, den Gemälden und Grafiken deutscher, italienischer und niederländischer Künstler sowie von den Werken der mit der Druckerei verbundenen Künstler beeindruckt. Die Familie musizierte gerne gemeinsam in kleiner Besetzung, weshalb sich in der Villa auch ein Klavier, ein Cello und eine Geige befanden. In der Villa herrschte eine außergewöhnlich angenehme Atmosphäre, die die Besucher schnell zu schätzen lernten.

Die Villa diente auch als Künstlerhaus. Neben finanzieller Unterstützung ermöglichte der Drucker Künstlern, hier zu arbeiten und kürzere oder längere Zeit innerhalb der Mauern der Villa zu leben. Das politische Klima der damaligen Zeit war gegenüber einer Verbindung von wissenschaftlicher und künstlerischer Tätigkeit mit politischem Engagement wenig aufgeschlossen, doch Pilismarót erwies sich als idealer Ort für solche geistigen Zusammenkünfte. Zu den häufigen Gästen Heckenasts gehörten Mihály Vörösmarty, Mór Jókai und József Bajza. Auch Ferenc Deák erwies der Villa die Ehre eines Besuchs. Der Legende nach erarbeitete er hier gemeinsam mit anderen bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit den Entwurf des Ausgleichs von 1867 zwischen Ungarn und Österreich.
1878 verkaufte Heckenast seine Druckerei an die Franklin-Gesellschaft und begann anschließend ein neues Leben in Pressburg (dem heutigen Bratislava). Das Gut in Pilismarót wurde zunächst von einem Pächter genutzt und später verkauft. Zunächst wurde es vom Ungarischen Königlichen Religionsfonds übernommen, ab 1884 ging es in den Besitz der Forstverwaltung über (heute Pilis Park Forest Ltd.). Heute steht die Villa leer und verlassen. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an ihren ersten Besitzer und an die glanzvolle Zeit des Gebäudes.

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