Das Cziráky-Schloss in Lovasberény

Wir befinden uns in Lovasberény, etwa 20 Kilometer von Székesfehérvár und rund 55 Kilometer von Budapest entfernt. Der Name der Gemeinde verweist vermutlich auf die einst hier abgehaltenen Pferdemärkte oder auf das königliche Gestüt, das sich hier befand1. Hier steht das Cziráky-Schloss, dessen südwestlicher Flügel auf Fundamenten aus dem 15. Jahrhundert2 errichtet wurde, die noch aus der Zeit der Familie Buzlai (László und sein Sohn Mózes) stammen. Der Oberstallmeister László Buzlai soll das Gut zusammen mit seiner Entlassungsurkunde von König Matthias erhalten haben3. (Eine interessante Besonderheit ist, dass einst ein unterirdischer Gang vom Haus zu den Weinbergen führte und im Falle einer Flucht als Rettungsweg dienen konnte4.) Im Jahr 1698 gelangte das Anwesen in den Besitz von Seigbert Heister5, der sich in Transdanubien niederlassen wollte. Da dies von der Familie Zichy verhindert wurde, erhielt er Lovasberény als Entschädigung. Der General ließ die erworbenen Gebäude renovieren und gilt außerdem als Bauherr der ehemaligen Kirche6. Im Jahr 1719 verkaufte er das Anwesen an den kaiserlich-königlichen Hofkriegsrat Fleischmann, von dem es 1730 Graf József Cziráky für 45.000 Gulden erwarb. Damals bestand hier lediglich ein bescheidenes Landgut, das dem aristokratischen Lebensstil der Familie Cziráky nicht gerecht wurde. Deshalb begann der Bau des heutigen Schlosses.

Graf György Cziráky, der Sohn von József, beauftragte den Architekten János Rieder mit der Planung der beiden Schlossflügel. Diese wurden zwischen 1763 und 17677 im Barockstil errichtet. Gleichzeitig begann auch die Gestaltung des Schlossgartens mit einer Breite von 22 Klaftern (40,23 Metern) und einer Länge von 36 Klaftern (65,83 Metern).

Im Jahr 1794 ließ Antal Mózes Cziráky die Gartenanlage weiter ausbauen und verwandelte sie in einen prachtvollen englischen Landschaftspark. Er ließ zahlreiche außergewöhnliche Baumarten pflanzen, darunter Walnuss, Haselnuss, Schwarznuss, Osagedorn, schwarze und weiße Maulbeerbäume, Linden, Sumpfzypressen sowie Ginkgo biloba8. Zudem wurden weitläufige Spazierwege angelegt. Ein künstlich angelegter See sorgte für die Wasserversorgung des Parks. Einer lokalen Überlieferung zufolge wurde in einem Jahr die gesamte Ernte durch Hagel vernichtet. Die Familie Cziráky ließ ihre Untertanen jedoch nicht im Stich und versorgte sie mit Getreide aus den eigenen Speichern. Als Gegenleistung gruben die Dorfbewohner den See aus9. Mit der dabei ausgehobenen Erde wurden zwei Hügel aufgeschüttet, die zu Ehren der damaligen Gutsbesitzer die Namen Antal und Rózsa erhielten.

Das Hauptgebäude diente als Wohnsitz der Familie Cziráky. Der linke Flügel war für Gäste bestimmt, während sich im rechten Flügel die Küche sowie die Wohnräume des Dienstpersonals befanden. Der mittlere Gebäudeteil, der bis heute erhalten ist, wurde höchstwahrscheinlich von Jakab Rieder, dem Sohn von János Rieder, im klassizistischen Stil entworfen und zwischen 1804 und 1810 errichtet. Hinter den ionischen Säulen gelangte man in die große Eingangshalle des Schlosses. Das Tympanon wird von den Wappen der Familien Cziráky und Illésházy geschmückt und erinnert an die Hochzeit von Antal Mózes Cziráky und Júlia Illésházy sowie an die Vereinigung der beiden Adelsgeschlechter.

Nach Antal Mózes erbte sein Sohn János das Schloss. Während seiner Besitzzeit erfolgte in den 1850er Jahren der letzte große Umbau des Anwesens nach den Plänen des berühmten Architekten Miklós Ybl. Das heutige Erscheinungsbild des Schlosses stammt im Wesentlichen aus dieser Zeit. Damals entstanden die beiden symmetrischen, eingeschossigen L-förmigen Seitenflügel des Innenhofs sowie die Eckpavillons10.

Im Hauptgebäude wurde eine moderne Wandheizung eingebaut, deren gusseiserner Heizkessel im Keller untergebracht war. Eine bemerkenswerte technische Besonderheit besteht darin, dass das Mauerwerk bis zu einer Höhe von zwei Metern mit Teer gegen Feuchtigkeit isoliert wurde. Dadurch sind die Schlossmauern bis heute außergewöhnlich trocken geblieben.

Das Schloss blieb bis 1944 im Besitz der Familie Cziráky. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude zwar nicht durch Artilleriebeschuss beschädigt, diente jedoch als Lazarett. Der prachtvolle englische Landschaftspark verfiel rasch, und die wertvolle Einrichtung fiel – ebenso wie viele andere Gegenstände – den Heizfeuern der kalten Wintermonate zum Opfer. Was zufällig erhalten blieb, wurde später von den Bewohnern der Umgebung mitgenommen. Nach der Verstaatlichung wurde das Schloss ab 1951 als Maschinenstation der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (TSZ) genutzt. Im Inneren wurden Trennwände eingezogen, um kleinere Büroräume zu schaffen. Von der einstigen gräflichen Pracht blieb kaum etwas erhalten. Geblieben sind lediglich die Mauern, die Säulen, die Familienwappen im Tympanon sowie die steinernen Löwen, die noch heute den Eingang bewachen.

Wir hoffen sehr, dass wir eines Tages auch über die gelungene Restaurierung und Wiedergeburt dieses außergewöhnlichen Schlosses berichten können.

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