Schloss Batthyány–Montenuovo in Bóly

Wir befinden uns in Bóly, einer Stadt, die etwa 30 Kilometer von Pécs und nur 15 Kilometer von Villány entfernt liegt – einer Region, die für ihren Weintourismus weit über Ungarn hinaus bekannt ist. Obwohl Bóly erst 1997 das Stadtrecht erhielt, reichen die ersten archäologischen Funde bis etwa 3000 v. Chr. zurück und stammen aus der Jungsteinzeit1. Die Umgebung ist berühmt für ihre Weinberge, weshalb sich ein Halt in Bóly für Besucher des südtransdanubischen Weinbaugebiets besonders lohnt. Die Stadt zeichnet sich durch ihre freundliche Atmosphäre, breite Alleen und zahlreiche Grünflächen aus. Ihr heutiges Erscheinungsbild entstand größtenteils während der Zeit des Ehepaars Batthyány und Montenuovo in den 1920er Jahren.

Bereits im 18. Jahrhundert befand sich auf dem Anwesen ein Jagdschloss. Sein heutiges klassizistisches Erscheinungsbild erhielt das Schloss durch einen umfangreichen Umbau zwischen 1805 und 1807. Seitdem gilt es als architektonisches Wahrzeichen von Bóly und ist von einem elf Hektar großen Park umgeben. Um die Geschichte seiner Besitzer zu verstehen, müssen wir an den Wiener Kaiserhof der 1790er Jahre zurückkehren. Damals wurde Erzherzogin Marie Louise, die älteste Tochter von Kaiser Franz II. und Maria Theresia von Neapel und Sizilien, geboren. Im Alter von neunzehn Jahren verheiratete ihr Vater sie mit Napoleon I., der sich kurz zuvor von Joséphine scheiden ließ, um durch eine dynastische Verbindung die Macht Frankreichs weiter auszubauen. Bereits 1811 wurde ihr gemeinsamer Sohn, Napoleon II2., geboren. Obwohl die Ehe politisch arrangiert war, entwickelte sich zwischen den beiden eine echte Zuneigung. Krieg und Politik verhinderten jedoch ihr gemeinsames Glück. Zwischen 1812 und 1815 regierte Marie Louise während Napoleons Feldzügen als Regentin Frankreich. Nach seiner Verbannung kehrte sie 1815 gemeinsam mit ihrem Sohn nach Wien zurück. Mit Unterstützung ihres Vaters heiratete sie später General Adam Albert von Neipperg, mit dem sie zwei Kinder – Albertine und Wilhelm – bekam. Nach dem Tod des Generals im Jahr 1829 heiratete sie ein drittes Mal. Aus ihrem französischen Schloss brachte sie zahlreiche prachtvolle Möbel im Empire-Stil mit, die später die Innenräume des Schlosses in Bóly schmückten.

Wilhelm von Neipperg machte eine erfolgreiche militärische Karriere. Bereits mit siebzehn Jahren trat er in die österreichische Kaiserliche Armee ein und heiratete 1850 Gräfin Júlia Batthyány-Strattmann, die Tochter von Graf Iván Batthyány-Strattmann und Gräfin Mária Esterházy. Das Ehepaar ließ sich im Schloss Batthyány in Bóly nieder.3 Während ihrer Zeit erhielt die Stadt weitgehend ihr heutiges Gesicht – mit breiten Straßen, parkähnlichen Grünanlagen und dem eindrucksvollen Schlosspark. 1864 verlieh Kaiser Franz Joseph der Familie den Fürstentitel und erlaubte ihr zugleich, den Familiennamen von Neipperg in Montenuovo zu ändern. Das Paar hatte drei Kinder: Albertina, Marie und Alfred. Alfred von Montenuovo und seine Frau Franziska von Kinsky bekamen vier Kinder, darunter ihren einzigen Sohn Albert. Aufgrund seiner starken Verbundenheit mit Ungarn änderte er später seinen Namen in Nándor. Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg kehrte er nach Bóly zurück und lebte mit seiner Familie im Schloss. Im Laufe der Jahre wurde die ursprüngliche Empire-Einrichtung durch eine umfangreiche Waffen- und Trophäensammlung ergänzt, die den fürstlichen Lebensstil der Familie widerspiegelte.

Fürst Nándor widmete sich mit großer Leidenschaft der Landwirtschaft. Seine Milchwirtschaft genoss einen hervorragenden Ruf, und er modernisierte den Besitz kontinuierlich mit den neuesten technischen Errungenschaften. Er führte Dampfpflüge und Garbenbinder ein, installierte dampfbetriebene Pumpen zur Wasserversorgung und ließ Wassertürme errichten, die sowohl das Schloss als auch das Gut mit Trinkwasser versorgten. Gleichzeitig war er ein überzeugter Patriot und bewies großen moralischen Mut. Er verweigerte seine Zustimmung zu den antisemitischen Gesetzen Ungarns und schrieb sogar einen Brief an Reichsverweser Miklós Horthy, in dem er den Austritt Ungarns aus dem Zweiten Weltkrieg forderte. Diese Haltung hatte schwerwiegende Folgen: Er wurde von der Pfeilkreuzler-Regierung verhaftet und in ein Konzentrationslager deportiert5. Nach Kriegsende plünderte die Rote Armee das Schloss und nahm nahezu alle beweglichen Wertgegenstände mit. Im Zuge der Verstaatlichungen verlor die Familie ihren gesamten Besitz. 1951 fiel Nándor einem politischen Schauprozess zum Opfer und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Bereits am Tag nach seiner Inhaftierung starb er6 – vermutlich infolge von Misshandlungen durch die ungarische Staatssicherheit (ÁVH).

Nach der Verstaatlichung ging das Schloss Batthyány–Montenuovo in staatlichen Besitz über. Heute dient es als Wohnheim für Menschen mit Behinderungen. Das Gebäude selbst kann zwar nicht besichtigt werden, der wunderschöne historische Schlosspark ist jedoch frei zugänglich und lädt zu Spaziergängen und erholsamen Stunden in einer einzigartigen historischen Umgebung ein.

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