- Noémi Vizi
- Foto: Jancsó Gergely
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Der Károlyi–Csekonics-Palast – vom Hochzeitsgeschenk zum Universitätsgebäude
Im Herzen Budapests, im VIII. Bezirk, auf dem Gebiet zwischen der Múzeum utca und der Reviczky utca, möchten wir den Leser in den Károlyi–Csekonics-Palast führen, der sich zu beiden Straßen hin öffnet. Das heute sichtbare Gebäudeensemble ist das Ergebnis einer äußerst spannenden Rekonstruktion, die am 1. September 2021 abgeschlossen und übergeben wurde. Das Gebäude in der Múzeum utca 17 wurde vollständig denkmalgerecht restauriert. Der Ballsaal, das Prunktreppenhaus, das Rauchzimmer, der Csekonics-Saal und die Aula wurden wieder in ihren ursprünglichen Glanz versetzt1. Der Besucher wird von echter aristokratischer Pracht empfangen und fühlt sich in die Atmosphäre der 1880er-Jahre zurückversetzt. Im Fresko des Ballsaals wurde „Der Triumph des Bacchus“ von Károly Lotz wieder zum Leben erweckt. Das Originalwerk war durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg sowie durch spätere funktionale Umbauten vollständig zerstört worden2. Der Intarsienparkettboden wurde rekonstruiert, die Wände erhielten eine Kunstmarmorverkleidung und auch die Gipsstuckelemente wurden wiederhergestellt. Das beeindruckende Prunktreppenhaus mit seinen im 19. Jahrhundert aus Eichen- und Lindenholz gefertigten Stufen und Galerien blieb glücklicherweise teilweise erhalten. Nach sorgfältiger Restaurierung kann heute die originale Treppenanlage bewundert werden. Im Rauchzimmer veranstaltete die Familie Károlyi–Csekonics einst Bälle und gesellschaftliche Zusammenkünfte für ihre aristokratischen Freunde. Zeitgenössische Fotografien, Postkarten und Baupläne waren bei der originalgetreuen Rekonstruktion eine große Hilfe, da Kunsthistoriker und Restauratoren dadurch die architektonische Vergangenheit des Palastes anhand authentischer Quellen erforschen konnten3. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert befanden sich hier die repräsentativen Räume und privaten Wohnbereiche der gräflichen Familie4. Heute sind dort das Rektorat, das Senatsbüro sowie weitere repräsentative Räume untergebracht5
Das Gebäude in der Reviczky utca 6 bildet einen deutlichen Gegensatz zum Múzeum-Straßenflügel. Hier standen moderne Lösungen und eine praktische Nutzung im Mittelpunkt. Die beiden Gebäude sind tatsächlich miteinander verbunden – früher durch eine Kutschendurchfahrt – und beherbergen heute den Campus der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Károli-Gáspár-Universität der Reformierten Kirche in Ungarn. Es entstanden moderne Räume für die universitäre Ausbildung: Hörsäle, Seminarräume, eine Bibliothek und Aufenthaltsbereiche sowie die notwendige Infrastruktur. Ursprünglich diente dieser Gebäudeteil als Unterkunft für das Personal und als Funktionsbereich. Darunter befand sich ein Kellnersystem, daneben lagen die Remisen und ein Innenhof.6.
Wenn wir auf die Geschichte des Gebäudes zurückblicken, müssen wir bis in die 1840er-Jahre zurückgehen. Bereits damals befand sich das Grundstück im Besitz der Familie Csekonics, die es ihrer Tochter Margit Csekonics als Hochzeitsgeschenk überließ7. Ihr Ehemann war Graf István Károlyi, der Abgeordneter des Parlaments, Präsident des Nationalkasinos, Ehrenpräsident des Caritas-Wohltätigkeitsvereins sowie Mitglied der Leitungsgremien der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Reitschule war8. Das Paar ließ den Palast im neobarocken Stil zwischen 1881 und 1885 errichten. Mit der Planung wurden Ferdinand Fellner und Hermann Helmer beauftragt, deren Werke unter anderem das Wiener Volkstheater, das Vígszínház in Budapest, die Nationaltheater von Szeged und Klausenburg sowie das Katona-József-Theater in Kecskemét umfassen9.
Nach Margits Tod befand sich ab 1918 die Französische Botschaft im Gebäude10 in der Múzeum utca. 1938 vermietete Károlyi Melinda, die Tochter von Margit und Károly, das Gebäude an den Baross-Verband der Händler, Gewerbetreibenden und verwandten Berufsgruppen11. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Palast von Bomben getroffen und schwer beschädigt. Nach dem Wiederaufbau wurde der ursprüngliche Zustand leider nicht vollständig wiederhergestellt. Später zogen erneut Botschaften ein, anschließend folgten die Nationale Technische Bibliothek, ein Informationszentrum für Studierende sowie Büros der Verwaltungs- und Justizbehörden. Im Jahr 2004 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt12. 2015 wurde beschlossen, dass der Gebäudekomplex nach der Rekonstruktion in den Besitz der Reformierten Kirche in Ungarn übergehen sollte13. Der 2021 wiedereröffnete Károlyi–Csekonics-Palast erfüllt seitdem eine Doppelfunktion. Der Gebäudeteil an der Múzeum utca dient als Universitätszentrum und Veranstaltungsort, während der Reviczky-Straßen-Flügel von Studierenden genutzt wird, die heute in einer modern ausgestatteten ehemaligen Grafenresidenz lernen können.
Das von außen beeindruckende Gebäudeensemble verbirgt im Inneren eine wahre architektonische Perle. Es bietet außergewöhnliche Räume und eine einzigartige Atmosphäre für Veranstaltungen. Besonders erfreulich ist, dass seine Rolle als repräsentatives und gesellschaftliches Zentrum erhalten geblieben ist: Heute pulsiert hier ein aktives Universitätsleben – in jenem Palast, der einst Schauplatz aristokratischer Gesellschaften und großer Zusammenkünfte war.
1https://csekonicspalace.hu/bemutatkozas/
2https://nof.hu/hu/ahol-a-mult-es-a-jovo-talalkozik-megujult-a-karolyi-csekonics-palotaegyuttes/
5https://reformatus.hu/oktatas/hirek/palota-az-oktatas-szolgalataban/
6https://reformatus.hu/oktatas/hirek/palota-az-oktatas-szolgalataban/
8https://reformatus.hu/oktatas/hirek/hagyomany-modern-kontosben/
12https://pestbuda.hu/cikk/20200901_atadtak_a_felujitott_karolyi_csekonics_palotat










