Das Nádasdy-Schloss im Tudor-Stil – ein Symbol der Ehrfurcht vor den Vorfahren und der ehelichen Treue

Der Name Nádasdy wurde bereits im 16. und 17. Jahrhundert im politischen und gesellschaftlichen Leben Ungarns bekannt. Tamás Nádasdy (1498–1562) war jene Persönlichkeit, die die finanzielle Grundlage der Familie schuf. Dank seines weitreichenden Beziehungsnetzwerks gelangte die Familie in den Kreis der angesehensten Adelshäuser des Landes. Er bekleidete das Amt des Palatins von Ungarn und erwarb durch seine Ehe mit der damals erst 14-jährigen Orsolya Kanizsai, die nach der Schlacht von Mohács zur Waise geworden war, bedeutende Ländereien. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich die Familie Nádasdy zu einer der einflussreichsten ungarischen Adelsfamilien. Tamás Nádasdys Sohn Ferenc (1555–1604) erlangte durch seine militärischen Erfolge Anerkennung. Seine Ehefrau war Erzsébet Báthory, und ihr Sohn Pál (1597–1633) war für das Amt des Generalhauptmanns des transdanubischen Militärbezirks verantwortlich. Dessen Sohn Ferenc (1623–1671) wurde durch seine Beteiligung an der Wesselényi-Verschwörung bekannt (er wurde 1671 zum Tod durch Enthauptung verurteilt), obwohl er zuvor eine glänzende Laufbahn hinter sich hatte: Ab 1655 bekleidete er das Amt des Landesrichters, ab 1662 war er Mitglied des Geheimen Rates der Habsburgermonarchie und ab 1667 auch königlicher Statthalter.

Ein halbes Jahrhundert später gelangen wir nach Sárszentmiklós, genauer gesagt zum Gut Sárszentmiklós (im heutigen Komitat Fejér). Auf diesem Gebiet stand ein barockes Herrenhaus, das 1738 von der Familie Schmidegg errichtet worden war, nachdem diese in den Grafenstand erhoben worden war. Graf Lipót Nádasdy (1802–1873) erwarb das Anwesen und verlegte seinen Sitz hierher. Bald entstand jedoch der Gedanke, den Ort umzubenennen, um damit auch zum Ausdruck zu bringen, auf wessen „Besitz“ sich die Besucher gerade befanden. Mithilfe seiner gesellschaftlichen Kontakte initiierte er die Umbenennung, die 1859 vom Innenminister genehmigt wurde.

Somit erwarb Lipót Nádasdy das Gebiet, und kurze Zeit später begann sein Sohn Ferenc (1842–1907) mit dem Bau. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, Gräfin Ilona Zichy, entwickelte er die Vision für das Schloss, mit dessen Planung István Linzbauer beauftragt wurde. Das im Tudor-Stil errichtete Gebäude, das an englische Schlösser erinnert, entstand zwischen 1873 und 1876. Nach Linzbauers Tod vollendete Alajos Hauszmann die Planung; die Ahnenhalle, die Bibliothek und die Kapelle gehen auf ihn zurück. Leider erlebte die junge Gräfin nicht mehr den Einzug in die neue Residenz mit ihrer Familie. Kurz nach der Geburt ihres vierten Kindes starb sie im Alter von nur 24 Jahren an Cholera. Ihr Ehemann blieb Ilona jedoch bis zu seinem Tod treu und richtete das Schloss genau nach den gemeinsamen Vorstellungen ein, die sie einst entwickelt hatten.

Das Schloss wurde mit den modernsten technischen Errungenschaften seiner Zeit ausgestattet, darunter eine Kanalisation, eine Warmluftheizung, Gasbeleuchtung, später elektrische Beleuchtung sowie sogar ein Sprachrohrsystem (ein Vorläufer des Telefons). Die Badezimmer wurden mit Wasser versorgt, das in einem gusseisernen Behälter gespeichert wurde, der sich im zinnenbewehrten Turm befand.

Die Gestaltung des Schlosses beruhte auf drei zentralen Gedanken: Es sollte den Vorfahren der Familie Nádasdy gewidmet sein; die Erinnerung und der Respekt gegenüber der jung verstorbenen Ilona Zichy sollten sichtbar werden; außerdem sollten die Jagd und ihre Motive einen besonderen Platz erhalten, da sie im Leben von Ferenc Nádasdy eine bedeutende Rolle spielte.

Der Graf war ein leidenschaftlicher Jäger. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die von ihm organisierten Jagdveranstaltungen landesweit bekannt – nicht zuletzt, weil sie für den Adel auch wichtige gesellschaftliche Ereignisse darstellten. Im Jahr 1881 gründete er den Ungarischen Landesjagdschutzverein, der bis heute eine bedeutende Organisation ist. Seine zweite große Leidenschaft galt dem Plattensee. Als Vizepräsident des Balaton-Vereins spielte er eine wichtige Rolle bei der Förderung des Segelsports am See.

Zurück zum Schloss: Es wurde von einem wunderschönen, 20 Hektar großen Park umgeben, der zwischen 1875 und 1894 zu einem englischen Landschaftspark umgestaltet wurde. Die Pflege und Gestaltung des Parks lag zunächst in den Händen von János Kálmán, später – von 1894 bis 1911 – unter der Leitung von János Berger. Im Park befand sich auch ein See, außerdem wurde auf einem Hügel ein Wasserturm errichtet, der für die Wasserversorgung des gesamten Anwesens verantwortlich war. In der Mitte des Sees lag eine kleine Insel, die über eine Brücke erreichbar war. Nadelbäume, Eiben und Linden prägten den bewaldeten Bereich und verbargen das Palmenhaus sowie das Bauernhaus vor neugierigen Blicken. Hier spielten die Kinder, die Ferenc Nádasdy mit Unterstützung der Mutter seiner verstorbenen Ehefrau großzog. Darüber hinaus wurde an der nordwestlichen Ecke des Anwesens eine Kirche errichtet, die im Jahr 1885 geweiht wurde.

Wenn man sich den Innenräumen zuwendet, gehört wohl die Ahnenhalle zu den beeindruckendsten Räumen des Schlosses. Hier sind ganzfigurige Porträts der Vorfahren der Familie Nádasdy zu sehen – Gemälde, die von den deutschen Besatzern im Dezember 1944 nicht mitgenommen wurden. Schmiedeeiserne Kronleuchter, bemalte Glasfenster und Holzmöbel sind bis heute erhalten geblieben. Die Decke der Bibliothek wurde mit einer kunstvollen Kassettierung verziert. Der Besuch dieses Raumes bietet einen außergewöhnlichen Anblick.

Graf Ferenc Nádasdy investierte eine beträchtliche Summe in den Bau und die Ausstattung des Schlosses: insgesamt 554.000 Forint. Mit diesem Betrag hätte man auch ein dreistöckiges Mietshaus in Budapest errichten können. Genau ein solches ließ er tatsächlich an einer Ecke des damals neu entstehenden József körút, unter der Hausnummer 35, bauen. Der Entwurf stammte von Alajos Hauszmann, der später auch Architekt des Königlichen Palastes auf der Budaer Burg wurde. Diese geschäftlichen Unternehmungen finanzierten den aristokratischen Lebensstil der Familie und ergänzten die Einnahmen aus dem Gut. Ferenc Nádasdy war ein echter Unternehmer: Er war Mitglied von Aufsichtsräten verschiedener Kreditinstitute, und auf dem Nádasdy-Gut wurde Torf entdeckt, mit dem er anschließend Handel betrieb.

Wer das im Jahr 2021 eröffnete, originalgetreu rekonstruierte Schloss besucht, taucht in die Welt der Aristokratie des 19. Jahrhunderts ein. Während der Führung erhält man Einblicke in die Geschichte des Schlosses und der Familie Nádasdy, kann zwischen originalgetreu nachgebildeten Möbeln wandeln, in einem bequemen Sessel historische Zeitungen lesen oder sogar das Sprachrohr ausprobieren. Ein ideales Ausflugsziel für Familien und Einzelbesucher gleichermaßen.

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