Die Geschichte des Gyürky-Solymossy-Schlosses in Bátonyterenye

Bátonyterenye liegt im Komitat Nógrád, eingebettet zwischen dem Mátra- und dem Cserhát-Gebirge. Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt dieses barocke Schloss, dessen Geschichte wir in diesem Artikel vorstellen. Es wurde in den 1790er-Jahren im Auftrag der Familie Gyürky errichtet. Vergleichbare Bauwerke finden sich vor allem in den nördlichen Regionen des Karpatenbeckens, während in Ungarn nur noch wenige Beispiele dieses Baustils erhalten geblieben sind. Das Schloss ist zweigeschossig und verfügt sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss über jeweils drei Räume. Es besitzt ein Mansarddach; seine größte Besonderheit sind die mit Holzschindeln gedeckten Zwiebeltürme an den Ecken der Westfassade1. Bis in die 1840er-Jahre befand sich das Schloss im Besitz der Familie Gyürky, die es hauptsächlich als Sommerresidenz nutzte.

Der Bauherr war Pál Gyürky, Obergespan des Komitats Krassó (1828–1846). Zuvor war er ehrenamtlicher Notar des Komitats Nógrád, anschließend stellvertretender Bezirksrichter des Bezirks Szécsény und ab 1806 dessen Bezirksrichter. Pál Gyürky war dreimal verheiratet2. Seine erste Ehefrau war Francziska Bay, mit der er fünf Töchter hatte. Nach ihrem frühen Tod heiratete er Amália Kapy, aus dieser Ehe gingen vier weitere Töchter hervor. Auch sie verstarb früh, sodass Pál sich ein drittes Mal verliebte und erneut heiratete. Mit Erzsébet Vay bekam er drei Kinder: Ábrahám, der den Familiennamen und den Adelstitel weiterführte, sowie Lilla und Malvin. Die große Familie benötigte durchaus ein Schloss dieser Größe, auch wenn sie nicht dauerhaft in Bátonyterenye lebte. Nach Páls Tod erbte sein Sohn Ábrahám das Anwesen. Dessen Ehefrau war Sarolta Orczy. In ihren letzten Lebensjahren verfiel sie dem Wahnsinn und lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1911 im Schloss3. Ábraháms Sohn Viktor heiratete 18934 Irma Olga Solymossy und verband damit die Familie Gyürky mit der Familie Solymossy. Das Paar bekam zwei Kinder. Ihre Ehe war allerdings eher eine Vernunft- als eine Liebesheirat, und bereits in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts ließen sie sich scheiden. Seit dieser Zeit wird das Anwesen als Gyürky-Solymossy-Schloss bezeichnet.

Jenő Solymossy begann auf dem Familiengut in Bátonyterenye mit der Pferdezucht. Deshalb sind bis heute noch die Überreste der Wagenremise, der Reithalle und der Trabrennbahn erhalten5. Das Schloss ist von einem 13 Hektar großen englischen Landschaftspark umgeben, der heute als historisches Arboretum gilt. Hier wachsen unter anderem spanische Tannen, chinesische Wacholder sowie zahlreiche weitere botanische Besonderheiten6. Im Jahr 1975 wurde der Park unter Naturschutz gestellt7.

Auch hier waren die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs deutlich spürbar. Das Schloss ging in staatlichen Besitz über und wurde über viele Jahre hinweg kaum instand gehalten. Sein Zustand verschlechterte sich kontinuierlich, bis es schließlich als einsturzgefährdet galt, nachdem ein Teil des Gewölbes im Erdgeschoss eingestürzt war8. In den 1980er Jahren diente das Schloss zudem als Drehort für Filmproduktionen9. Im Jahr 1982 befand sich hier das Bildungszentrum der Eisenhüttenwerke von Salgótarján. Bis in die 1990er Jahre war im Hauptgebäude ein Kindergarten untergebracht, während sich im Nebengebäude bis 1993 kommunale Mietwohnungen befanden10. 1996 erwarb die Gemeinde das Anwesen. Da jedoch keine umfassende Sanierung erfolgte, versuchte die Familie Gyürky, ihren ehemaligen Besitz zurückzuerlangen. Die Gemeinde bestand jedoch auf ihrem Eigentumsrecht und zeigte kein Interesse an einem Verkauf11. Später gelang es der Gemeinde, Fördermittel zu erhalten, wodurch die Rekonstruktion des Schlosses beginnen konnte. In den Nebengebäuden wurde ein Palóc-Bauernhofmuseum (Palócporta) eingerichtet, die früher als Verwalter- und Dienstbotenwohnungen dienten. Im Jahr 2003 eröffnete im Schloss eine Dauerausstellung mit Werken des berühmten Sohnes der Stadt, des Kossuth-Preisträgers István Szabó, eines bedeutenden Bildhauers. Zu sehen waren volkskundliche Werke, Skulpturen zur Bergbaugeschichte sowie eine originalgetreu rekonstruierte Bildhauerwerkstatt, die den Besuchern Einblicke in die Werkzeuge und Arbeitsmethoden des Künstlers ermöglichte12.

Inzwischen ist die Ausstellung nicht mehr zugänglich, und erneut erschwert der Mangel an finanziellen Mitteln die touristische Nutzung des Schlosses. Besucher können heute lediglich durch den Schlosspark spazieren, das Gebäude selbst ist nicht zugänglich. Wir hoffen sehr, dass das Gyürky-Solymossy-Schloss schon bald wieder in seinem einstigen Glanz erstrahlen kann.

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