Die ehemalige Rónay-Villa – später das Hauptquartier von Ferenc Szálasi in Csobánka

Die Rónay-Villa in Csobánka – heute häufig als Szálasi-Villa bezeichnet – gehört zu den außergewöhnlichsten historischen Bauwerken des Pilis-Gebirges. Das Gebäude ist nicht nur aus architektonischer und ortsgeschichtlicher Sicht von Bedeutung, sondern auch deshalb, weil es eng mit der Geschichte der ungarischen extremen Rechten während des Zweiten Weltkriegs verbunden ist. Am Ufer des Dera-Bachs, in der Nähe des Oszoly-Felsens gelegen, befindet sich die Villa aus der Jahrhundertwende heute inmitten einer ruhigen Naturlandschaft. Ihre Vergangenheit erinnert jedoch an eines der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts.

Csobánka ist eine geschichtsträchtige Ortschaft am Fuße des Pilis-Gebirges, die bereits im Mittelalter besiedelt war. Aufgrund ihrer besonderen Lage – eingebettet in ein Tal, umgeben von Wäldern, Bergen und Bächen – entwickelte sich der Ort um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu einem beliebten Sommerfrischeziel für das wohlhabende Bürgertum Budapests. In dieser Zeit entstand auch das später als Rónay-Villa bekannte Landhaus, das zu den markantesten Gebäuden des Villenviertels Margitliget zählt1. Zum Anwesen gehörten ein weitläufiger Garten, ein Grundstück mit herrlicher Aussicht sowie eine kleine Brücke über den Dera-Bach. Bis heute verdankt die Villa ihren besonderen Reiz vor allem ihrer naturnahen Umgebung mit alten Bäumen sowie zahlreichen geschützten Pflanzen- und Tierarten.

Der Name der Villa ist mit der Familie Rónay verbunden. Ursprünglich trug die Familie den Namen Oexel und stammte aus dem deutsch-bayerischen Adel. Der Stammvater Mátyás József Oexel erwarb im Jahr 1781 umfangreiche Ländereien in der südlichen Tiefebene Ungarns, vor allem in der Umgebung von Kiszombor2. Im Jahr 1846 magyarisierte die Familie ihren Namen zu Rónay. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die Rónays zu bedeutenden Großgrundbesitzern und Verwaltungsbeamten. Aus ihren Reihen gingen Vizegespane, Reichstagsabgeordnete und hohe Verwaltungsbeamte hervor. Sie ließen Schlösser und Herrenhäuser errichten und unterstützten das kulturelle sowie wirtschaftliche Leben ihrer Region. Obwohl nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass die Villa in Csobánka tatsächlich dieser Familie gehörte, wird sie in den historischen Quellen durchgängig als Rónay-Villa bezeichnet.

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen gehörte Oberst Elemér Rónay zu den Eigentümern der Villa3. Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1937 berichtet von einem bewaffneten Überfall auf das Anwesen, bei dem eine zehn bis zwölfköpfige Räuberbande auf das Gebäude schoss. Die Anwesenden – Hauptmann Dr. Antal Berő, Elek Domján und Márta Rónay – erwiderten das Feuer, während Frau Elemér Rónay und ihre zweite Tochter Alma sich in einem Zimmer einschlossen. Die geheimnisvolle Natur dieses Vorfalls zeigt sich auch darin, dass trotz des hohen Ansehens der Familie lediglich ein einziger Zeitungsbericht über das Ereignis existiert. Darüber hinaus sind keine weiteren Fälle bekannt, in denen eine zehn- bis zwölfköpfige Räuberbande in der Umgebung einen ähnlichen Überfall verübt hätte.

Das bekannteste Kapitel in der Geschichte der Villa ist jedoch mit dem Namen Ferenc Szálasi verbunden. Nach dem Ersten Weltkrieg diente Szálasi zunächst als Offizier, bevor er sich allmählich der extrem rechten Politik zuwandte4. Er entwickelte seine eigene Ideologie, den sogenannten Hungarismus, und gründete mehrere nationalsozialistische Organisationen. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten wurde er mehrfach inhaftiert. Im Jahr 1940, nach dem Zweiten Wiener Schiedsspruch, wurde er durch eine Amnestie von Miklós Horthy freigelassen. Danach kam er mit der Villa in Csobánka in Verbindung, die ihm von einem seiner Unterstützer angeboten worden war.

Nach den historischen Quellen zog zunächst Szálasis Mutter in das Gebäude ein, später hielt sich auch der Pfeilkreuzler-Führer selbst regelmäßig dort auf5. Im Jahr 1944 entwickelte sich die Villa praktisch zu einem inoffiziellen politischen Zentrum. Die abgeschiedene Lage inmitten der Wälder bot ideale Bedingungen für politische Gespräche und Rückzug. Nach Erinnerungen von Einwohnern erschien Szálasi häufig mit grün uniformierten Begleitern im Ort, suchte jedoch keinen Kontakt zur Bevölkerung

Die historische Bedeutung der Villa wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass hier im Sommer 19446 auch die deutsche Übersetzung des an Adolf Hitler gerichteten Memorandums angefertigt wurde. Szálasi war zu diesem Zeitpunkt der Ansicht, dass die deutsche Führung ihn nicht ausreichend ernst nahm, und wollte sich deshalb direkt an Hitler wenden. An der Übersetzung des Dokuments arbeiteten auch Gábor Kemény und Kurt Haller in dem Haus in Csobánka. Obwohl das Memorandum nicht zu einem persönlichen Treffen führte, unterstützten die Deutschen Szálasi später dennoch nach dem gescheiterten Versuch von Miklós Horthy, Ungarn aus dem Krieg herauszuführen.

Im Oktober 1944 wurde Ferenc Szálasi zum sogenannten „Führer der Nation“ ernannt, und die Pfeilkreuzler-Partei übernahm die Macht7. Während der Monate ihrer Herrschaft kam es zu Massendeportationen, Hinrichtungen und Terrorakten. Das Regime Szálasis entschied sich für die bedingungslose Unterstützung des nationalsozialistischen Deutschlands, während das Land bereits unter den Zerstörungen des Krieges litt. Zu diesem Zeitpunkt verlor die Villa in Csobánka ihre politische Bedeutung, da Szálasi seinen Sitz zunächst nach Buda und später nach Westungarn verlegte. 1945 floh er nach Deutschland, wo er in amerikanische Gefangenschaft geriet. Nach seiner Auslieferung an Ungarn wurde er vor das Volksgericht gestellt und im März 1946 als Kriegsverbrecher hingerichtet.

Nach dem Krieg blieb die Villa in Privatbesitz und tauchte in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach auf dem Immobilienmarkt auf. Das Gebäude steht noch heute, benötigt jedoch eine umfassende Renovierung. Aufgrund seiner historischen Vergangenheit erhält es immer wieder landesweite Aufmerksamkeit, insbesondere wenn es zum Verkauf angeboten wird. Für die Einwohner von Csobánka ist es jedoch vor allem kein politischer Erinnerungsort, sondern ein Teil der historischen Villenkultur der Gemeinde.

Die Rónay-Villa in Csobánka bewahrt gleichzeitig natürliche, architektonische und historische Erinnerungen. In ihren Mauern verbinden sich die Welt der ländlichen Villen der Jahrhundertwende, die Geschichte ungarischer Adelsfamilien sowie das tragische politische Erbe des Zweiten Weltkriegs. Das Gebäude ist somit nicht nur ein außergewöhnliches Bauwerk in Csobánka, sondern auch ein bedeutender und zugleich widersprüchlicher Zeuge der ungarischen Geschichte.

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