- Noémi Vizi
- Foto: Felszeghy Áron
- Lesezeit: 2 Minuten
Das Prónay-Schloss in Romhány
Geschichtsinteressierten dürfte der Ort Romhány ein Begriff sein. In seiner Umgebung fand unter der Führung von Franz II. Rákóczi die letzte Schlacht des Ungarischen Unabhängigkeitskrieges statt. Einer Legende zufolge schlug Rákóczi sein Feldlager auf dem Gelände des heutigen Prónay-Schlosses auf und leitete von dort aus die Kämpfe1. Im 18. Jahrhundert befanden sich Romhány und seine Umgebung im Besitz dreier Adelsfamilien: der Familien Sembery, Géczy und Prónay2. In diesem Artikel stellen wir das ehemalige Schloss der Familie Prónay vor.
Ahnenforschungen führen die Geschichte der Familie Prónay bis in die Regierungszeit König Bélas IV. zurück. Bereits damals verfügte sie über umfangreichen Grundbesitz und großen politischen Einfluss3. Im Laufe der Jahrhunderte bekleideten ihre Mitglieder zunächst Ämter auf Komitatsebene, später auch landesweite Positionen. Für ihre treuen Dienste verlieh ihnen König Ferdinand I. einen Adelsbrief.
Das Prónay-Schloss in Romhány wurde zwischen 1735 und 1740 im Auftrag von Gábor I. Prónay erbaut. Im 19. Jahrhundert wurde es zunächst um ein Badehaus und später um Wirtschaftsgebäude erweitert. Im Jahr 1860 erfolgte eine umfassende Renovierung im Barockstil4. Das eingeschossige Schloss mit rechteckigem Grundriss besitzt ein in Ungarn einzigartiges Dach, dessen Restaurierung im Jahr 2012 eine außergewöhnliche ingenieurtechnische Herausforderung darstellte. Einst schützte eine zwei Meter hohe Steinmauer den jahrhundertealten englischen Landschaftspark mit seinen prachtvollen Bäumen und Spazierwegen vor neugierigen Blicken5. Den Bewohnern standen außerdem ein Tennisplatz, eine Bibliothek mit rund 1.000 Bänden sowie eine bedeutende Waffensammlung zur Verfügung. Die Wände schmückten Werke berühmter ungarischer Maler wie Ferenc Szikszay, Lajos Kubányi, Gyula Zilczer und Károly Markó6.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Inneneinrichtung zerstört, und auch der Schlosspark erlitt Bombenschäden. Nach der Verstaatlichung richtete man im Gebäude Notwohnungen ein. Das Dach befand sich jedoch bereits in einem derart schlechten Zustand, dass die Bewohner nicht lange bleiben konnten. Anschließend diente das Schloss als Lagergebäude, bevor es ab 1963 als Gymnasium genutzt wurde. Mit staatlichen und kommunalen Fördermitteln wurde das Dach instand gesetzt und vier Klassenräume eingerichtet.
Aufgrund der geringen Schülerzahl musste die Schule jedoch bereits im Frühjahr 1969 wieder geschlossen werden7. Eine entscheidende Wende brachte das Jahr 1970, als im Schloss eine Produktions- und Montagehalle für nachrichtentechnische Bauteile (Werk für Nachrichtentechnische Materialien) eingerichtet wurde. Anfangs beschäftigte das Unternehmen nur einige Dutzend Mitarbeiter, doch innerhalb weniger Jahre stieg die Zahl auf nahezu 2008. Besonders für Frauen entstanden dadurch neue Arbeitsplätze. Das Unternehmen versprach, keine wesentlichen baulichen Veränderungen am Schloss vorzunehmen, sodass dessen historischer Charakter erhalten blieb. Ein weiterer Meilenstein in der jüngeren Geschichte des Schlosses war das Jahr 2012, als das außergewöhnlich steile Dach vollständig erneuert wurde. Aufgrund seiner Konstruktion stellte sowohl die Dachdeckung als auch die Eindeckung mit Ziegeln eine große technische Herausforderung dar. Die hochwertige Ausführung wurde mehrfach ausgezeichnet: Das Dach erhielt den „Dach des Jahres“-Preis des Ungarischen Verbandes der Dachdecker, Spengler und Zimmerleute (ÉMSZ) sowie den Goldenen-Axt-Wanderpreis9. Die Restaurierung der heute sichtbaren Fassade wurde 2015 abgeschlossen.
Die Rekonstruktion des Prónay-Schlosses ist beeindruckend gelungen. Wir hoffen sehr, dass dieses prachtvolle historische Bauwerk schon bald mit einer neuen Nutzung und neuem Leben erfüllt wird.





