Das Gencsy-Herrenhaus wartet auf seinen Retter

Bereits früher besuchten wir Tibolddaróc und stellten dort das Majtényi-Herrenhaus vor. Diesmal möchten wir das Gencsy-Herrenhaus präsentieren, das heute auf seine Rettung wartet. Das Herrenhaus befindet sich im Zentrum des rund 40 Kilometer von Miskolc entfernten Ortes und wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Alajos Fáy errichtet, dem stellvertretenden Obergespan des Komitats Borsod und einer bedeutenden Persönlichkeit der Revolution von 18481.

Das Herrenhaus verfügt über eine Wohnfläche von rund 300 Quadratmetern und besitzt ein Mansarddach, wodurch das Dachgeschoss ausgebaut und um weitere Räume ergänzt werden kann. Neben den bereits vorhandenen neun Zimmern bietet sich hier zusätzliches Nutzungspotenzial. Einst beherbergte das Gebäude eine landesweit bekannte Bibliothek mit wertvollen Münz- und Gemäldesammlungen. Einige dieser Exponate sind heute im Ungarischen Nationalmuseum zu sehen. Ab 1879 ging das Anwesen von der Familie Fáy an die aus Érmihályfalva stammende Familie Gencsy über. Im vier bis fünf Hektar großen, bewaldeten Gencsy-Park befand sich sogar ein Tennisplatz, der der Familie und ihren Gästen Erholung in einer wunderschönen Umgebung bot. Nach dem Tod des Familienoberhauptes Zoltán Gencsy erlitt die Familie einen weiteren schweren Schicksalsschlag. Der Kácsi-Bach trat über die Ufer und überschwemmte das Herrenhaus. Fast sämtliche Einrichtungsgegenstände wurden beschädigt. Die Witwe entschied sich schließlich, das Anwesen zu verlassen und alles zurückzulassen.

Die Erben der Familie Gencsy spielten leidenschaftlich gern Karten. Wie so oft wechselten sich Glücks- und Pechsträhnen ab. An einem besonders unglücklichen Abend wurde sogar das Herrenhaus als Spieleinsatz gesetzt. Dadurch gelangte es in den Besitz von Dr. Zoltán Reizmann. Gemeinsam mit seinem Team von Weinbau- und Kellerfachleuten produzierte er den Grundwein für den Törley-Sekt – und dies bis in die 1970er Jahre. Obwohl die Familie Reizmann aufgrund der Judenverfolgung vor dem Zweiten Weltkrieg ins Ausland fliehen musste, setzte das Staatliche Weingut Tokaj-Hegyalja die Belieferung der Sektkellerei fort. Später befand sich auf dem Anwesen eine Küferei, anschließend ging es in den Besitz der Römisch-Katholischen Kirche über und wurde schließlich zum Verkauf angeboten.

Der heutige Zustand des Gencsy-Herrenhauses ist auf den Bildern gut zu erkennen. Das barock-klassizistische Gebäude, das einst inmitten eines prachtvollen Parks stand, ist heute stark sanierungsbedürftig und wartet auf eine umfassende Restaurierung. Es wartet auf einen neuen Eigentümer – jemanden, der sein Potenzial erkennt und ihm neues Leben einhaucht. Das Herrenhaus könnte künftig als privates Wohnhaus, Gastronomiebetrieb, Ausstellungszentrum, Veranstaltungshaus oder Seniorenresidenz genutzt werden. Nach unseren letzten Informationen steht das Gebäude aufgrund seiner historischen Bedeutung unter Denkmalschutz. Wir hoffen sehr, eines Tages über seine erfolgreiche Restaurierung und seine neue Zukunft berichten zu können.

Quelle: Informationstafel vor dem Gencsy-Herrenhaus

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