ie ungarischen Besitztümer und Schlösser der Familie Széchenyi

Im Jahr 2025 erinnern wir an die herausragende Tätigkeit von Graf István Széchenyi, denn im Jahr 1825 bot er sein Jahreseinkommen zur Gründung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften an. Das 200-jährige Jubiläum stellt einen wichtigen Meilenstein dar und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Förderung der ungarischen Sprache und der ungarischen Wissenschaft.

Die Familie Széchenyi stammt aus dem Komitat Nógrád1. Einer Quelle zufolge liegt die Wiege der Familie in Szécsény2, während andere Quellen Alsószécsényke als Ursprungsort nennen3. Ab dem 15. Jahrhundert wurde der Name der Familie zunehmend bekannt. Aus ihr gingen bedeutende Geistliche, Soldaten und Staatsmänner hervor. György Széchényi (1592–1695) gilt als Begründer des Familienvermögens. Er entschied sich für eine geistliche Laufbahn und war Bischof von Pécs, Veszprém und Győr. Später wurde er Erzbischof von Kalocsa und Esztergom und erreichte schließlich das höchste kirchliche Amt Ungarns als Primas von Ungarn4. Er wurde zu einem äußerst wohlhabenden Mann und erwarb zahlreiche Ländereien für sich selbst sowie für seine Geschwister. Diese Besitzungen konzentrierten sich vor allem im westlichen Teil des Landes, nahe der Grenze. Noch heute sind die Széchenyi-Schlösser in Nagycenk, Sopronhorpács und Somogytarnóca weithin bekannt. Die Kinder von Györgys Bruder Lőrinc führten den Familiennamen weiter. Aufgrund seiner militärischen Erfolge als Heerführer und Burghauptmann erhielt György Széchenyi (1656–1732) im Jahr 16975 von Kaiser Leopold I. den Grafentitel. Dieser Rang wurde anschließend über viele Generationen hinweg innerhalb der Familie weitergegeben.

Sopronhorpács – Széchenyi-Schloss

Der Name von Ferenc Széchényi (1754–1820) ist eng mit der Gründung des Ungarischen Nationalmuseums verbunden. Er war ein leidenschaftlicher Kunst- und Sammlerhistoriker. Zunächst lebte er in Horpács, später zog er nach dem Tod seiner Eltern in das Schloss in Cenk. Im Jahr 1802 übergab er seine Sammlungen – darunter Kupferstiche, Karten, Münzsammlungen sowie Bücher, ungarische Druckwerke und Handschriften – der Öffentlichkeit. Diese Schenkung führte zur Gründung des Ungarischen Nationalmuseums und bildete indirekt auch die Grundlage für die spätere Ungarische Nationalbibliothek Széchényi6. Für den Umbau des Schlosses in Nagycenk fertigte Menyhért Hefele im Jahr 1791 Pläne an. Der Graf stand jedoch einer Aufstockung des Gebäudes mit einem weiteren Stockwerk zurückhaltend gegenüber. Deshalb beauftragte er József Ringer mit zurückhaltenderen Entwürfen, deren Umsetzung im Jahr 1800 abgeschlossen wurde.7

Ferencs Sohn war István Széchenyi (1791–1860), der als „der größte Ungar“ bekannt wurde. István erhielt eine religiöse Erziehung, gleichzeitig legte seine Familie großen Wert auf seine Sprachkenntnisse. Die Familie sprach und korrespondierte auf Deutsch, während Széchenyi außerdem Latein, Englisch, Französisch und Italienisch erlernte8. Diese Sprachkenntnisse bildeten die Grundlage für seine späteren Reisen und internationalen Kontakte. Die Erfahrungen, die er auf seinen Reisen sammelte, prägten wesentlich sein reformorientiertes Denken. Im Jahr 1809 trat er gemeinsam mit seinem Onkel Pál in das Adelsheer ein, das gegen Napoleon kämpfte. Seine militärische Laufbahn dauerte bis 1826, während dieser Zeit erhielt er mehrere Auszeichnungen9. Den Besitz in Cenk erhielt er 1815 von seinem Vater. Danach begann er sich intensiv für die Pferdezucht zu interessieren. Er reiste mehrfach nach England und kaufte dort Pferde. Auf seine Initiative hin wurden die Pferderennen in Pest eingeführt und das erste ungarische Kasino gegründet. Im Jahr 1821 lernte er Baron Miklós Wesselényi kennen, dessen Einfluss ihn dazu bewegte, seine Kenntnisse der ungarischen Sprache weiterzuentwickeln. 1825 hielt Széchenyi eine Rede auf Ungarisch, in der er sich für die Förderung des nationalen Bewusstseins und der ungarischen Sprache einsetzte. Dafür bot er ein Jahreseinkommen seiner Güter an. Diese Stiftung wurde zur Grundlage der ungarischen wissenschaftlichen Institution10, der heutigen Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

Széchenyi-Kettenbrücke, 1900

István Széchenyi beschäftigte sich intensiv mit der Errichtung einer dauerhaften Brücke über die Donau, die Buda und Pest miteinander verbinden sollte. Er wurde Vorsitzender des Budapester Brückenvereins. Sein Name und seine Verdienste werden bis heute durch die Széchenyi-Kettenbrücke bewahrt. Der Grundstein wurde 1842 gelegt. Entworfen wurde die Brücke von William Clark, die Bauleitung übernahm Adam Clark. Sie stellte eine völlig neue Dimension im Verkehrswesen dar und trug wesentlich zur Entwicklung des städtischen Lebens in der Hauptstadt bei.

Széchenyi-Schlösser in Ungarn

Komitat Somogy: Kőröshegy, Marcali, Segesd, Somogyvár, Somogytarnóca, Csokonyavisonta (2), Homokszentgyörgy, Kálmáncsa, Rinyatamás (10)

Komitat Veszprém: Balatonfüred, Ötvös (2)

Komitat Békés: Póstelek (1)

Komitat Győr-Moson-Sopron: Fertőszéplak, Iván, Nagycenk, Sopronhorpács, Pusztacsalád, Rábasebes (6)

Komitat Vas: Gencsapáti, Hegyfalu, Peresznye, Rum, Táplánszentkereszt (5)

Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand gibt es in Ungarn 24 Széchenyi-Schlösser. Ihr Zustand ist sehr unterschiedlich. Einige wurden vollständig renoviert und beherbergen heute beispielsweise Museen oder Seniorenheime, andere befinden sich in Privatbesitz und dienen als Wohnhäuser. Staatlich genutzte Gebäude, wie etwa Schulen, wurden bereits vor mehreren Jahrzehnten umgebaut und befinden sich seitdem in kontinuierlicher Nutzung. Durch regelmäßige Instandhaltungsmaßnahmen konnten sie erhalten werden. Die dritte Kategorie bilden die Schlösser in einem gefährdeten Zustand. Diese Gebäude stehen teilweise seit Jahrzehnten leer; in vielen Fällen sind nur noch die Mauern erhalten oder lediglich Ruinen erinnern an den einstigen Standort der ehemaligen Herrenhäuser.

Unser Ziel ist es, unseren Leserinnen und Lesern in den kommenden Jahren die gut erhaltenen und sehenswerten Széchenyi-Schlösser näher vorzustellen.

Das Titelbild zeigt das Széchenyi-Schloss in Nagycenk. Bildquelle: Fortepan / Stadtarchiv Budapest / Fotografien von György Klösz.

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