Das Szily-Schloss von Gödreszentmárton

Unsere nächste Station ist das Szily-Schloss in Gödreszentmárton im Komitat Baranya, direkt an der Hauptstraße gelegen. Die Geschichte der Ortschaft reicht bis ins Mittelalter zurück, während der Zeit der osmanischen Besetzung wurde sie jedoch entvölkert1. Eigentümer des Schlosses war die Familie Szily, deren Geschichte wir in diesem Artikel vorstellen.

Der erste Vorfahre der Familie Szily, der sich in Ungarn niederließ, war Márton Szily (1662–1724). Nach dem Tod seines Vaters zog er gemeinsam mit seiner Mutter aus Kroatien in das Komitat Somogy2. Als junger Mann heiratete er Zsuzsanna Frankovics. Aus dieser Ehe ging Ádám (1716–1785) hervor, dessen Ziel es war, den Familienbesitz der Szily zu vergrößern. Er setzte alles daran, dieses Ziel zu erreichen, und schaffte den Aufstieg in den wohlhabenden mittleren Adel. Allerdings konnte er diese Stellung nicht dauerhaft bewahren. Die Bemühungen um den Erwerb neuer Ländereien nahmen eine unerwartete Wendung, und schließlich verlor er sogar die alten Szily-Besitztümer.

Ein Nachkomme Ádáms mehrere Generationen später war László Szily, der zwischen 1878 und 1887 dreimal als Abgeordneter im ungarischen Parlament tätig war und zwei Jahre später zum Vizegespan (alispán) gewählt wurde. Das Schloss von Gödreszentmárton kaufte er 1875 gemeinsam mit seiner Ehefrau Ilona Jeszenszky; damit gelangte das Gut in den Besitz der Familie Szily3. Quellen zufolge war der vorherige Eigentümer József Petrovszky, der das Gut 1735 von König Karl III. erhalten hatte. Der Kauf brachte die Familie Szily jedoch in finanzielle Schwierigkeiten. Um die Schulden zu begleichen, begann László, die Bäume der zum Besitz gehörenden Wälder zu verkaufen, auf deren Flächen später Ackerland entstand. Auch dies brachte keine ausreichende Verbesserung, weshalb er das Gebiet in kleinere Parzellen aufteilte und an Kleinpächter verkaufte, die dafür zehn Jahre lang Pachtzahlungen leisteten.

Aus der Ehe von László und Ilona gingen fünf Kinder hervor, die das Erwachsenenalter erreichten: Borbála, Tamás, Pongrác, Ádám und András Antal. Die Leitung des Gutes in Gödreszentmárton übernahm Tamás, der die Landwirtschaftliche Akademie in Mosonmagyaróvár absolvierte. Zu dieser Zeit war dies die erste und einzige landwirtschaftliche Hochschulausbildung in Ungarn. Er war ein weitgereister Mann, der Studienreisen nach Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien unternahm. Mit zahlreichen Erfahrungen und neuem Wissen kehrte er zurück. Aufgrund seiner fachlichen Kenntnisse wurde er zunächst zum Viehzuchtinspektor und später zum Molkereiwirtschaftsinspektor berufen. Im Jahr 1910 wurde er zum Obergespan (főispán) ernannt (sein mütterlicher Urgroßvater József Siskovics, sein Großvater Ferenc Jeszenszky und sein Vater László Szily hatten ebenfalls das Amt eines Vizegespans ausgeübt). Als Obergespan betrachtete er die Förderung der Landwirtschaft im Komitat, die Milchviehzucht, den Weinbau, das Bildungswesen und die Industrie als besonders wichtige Aufgabenbereiche. Dieses Amt übte er bis 1917 aus, als die Regierung Tisza stürzte und er zurücktrat.

Was die familiäre Linie betrifft, heiratete Tamás Szily Mária Somssich. Ihr einziger Sohn hieß Márton. Er war der letzte Grundbesitzer von Gödreszentmárton. Die Erinnerung an die Familie Szily wird in der Ortschaft bis heute auch durch die Heilig-Kreuz-Szily-Kapelle bewahrt.

Das Schloss wurde vermutlich in den 1860er-Jahren errichtet, wobei das heutige Gebäude möglicherweise durch spätere Umbauten aus diesem ursprünglichen Bau entstand. Sicher ist, dass das Schloss und der dazugehörige Park bereits auf einer Karte aus dem Jahr 1864 eingezeichnet waren4. Das zweigeschossige Gebäude besteht aus einem Kellergeschoss und einem Erdgeschoss und verfügt über eine Gesamtfläche von nahezu 1.000 m². Auf dem Grundstück befinden sich außerdem mehrere Nebengebäude. Der geschützte Park beherbergt Rosskastanien, 16 verschiedene Ahornarten sowie Fichten5.

Leider nahm auch dieses Schloss nach dem Verlust seines privaten Charakters und der Überführung in staatliches Eigentum den Weg des Verfalls. Zunächst befand sich hier ein Postamt, anschließend eine Schule und ab 1965 eine soziale Einrichtung für ältere Menschen, in der etwa 60 Bewohner lebten. Danach wurde das Gebäude als Büro der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (TSZ) genutzt und gelangte Jahre später wieder in Privatbesitz. Seitdem scheint die Zeit hier stehen geblieben zu sein. Wesentliche Entwicklungs- oder Erhaltungsmaßnahmen wurden nicht durchgeführt, wodurch sich der Zustand des Schlosses weiter verschlechterte. Wir hoffen, dass es bald einen neuen Besitzer findet, der sich in dieses besondere Gebäude verliebt und es würdevoll renoviert, damit es wieder in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlen kann.

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